Dienstag, 24. April 2007

Begriffsfetisch

Neben der "Zivilgesellschaft" gehört die "Nichtregierungsorganisation" zu den ursprünglich aus den Sozialwissenschaften kommenden Begriffen, die im Laufe der letzten Jahre Gemeingut geworden sind und sich, im normativen Sinne gebraucht, schon fast zum Fetisch für manche Politiker, Journalisten und Wissenschaftler entwickelt haben.
NGOs sind für Deutsche, die gewohnheitsmäßig der Vereinsmeierei frönen, nichts neues. Nur wohnt diesem Begriff etwas bürgerschaftliches, basisdemokratisches inne - etwas, was sogenannte GONGOs (Government-operated Non-governmental organizations) nur dem äußeren Anschein nach haben. Diese von einer Regierung gegründeten, betriebenen und/oder finanzierten Organisationen suggerieren die Existenz einer bestimmten öffentlichen Meinung, wo eine solche entweder gar nicht oder nicht im politisch gewünschten Maß vorhanden ist.

Zu den GONGOs, deren Namen man kennen sollte, gehören das National Endowment for Democracy und Freedom House, beide in den USA beheimatet. Ihre Hauptaufgabe ist der 'Demokratieexport' in solche Staaten, die ihnen bzw. ihren amtlichen Auftraggebern als nicht hinreichend demokratisch verfaßt erscheinen. Ein Beispiel dafür sind die diversen 'Farbrevolutionen' der letzten Jahre: Jugoslawien, Georgien, Ukraine, Kirgistan, in denen in fast schon leninistischer Manier die 'demokratische Weltrevolution' - die sich freilich de facto häufig in einer pro-amerikanischen Außenpolitik erschöpft (siehe Georgien) - verbreitet werden soll.

Damit hat sich auch die Reportage "Revolution.com" des französischen Journalisten Manon Loizeau auseinandergesetzt. Darin wird die Arbeit der Organisationen vorgestellt und einige ihrer führenden Personen werden porträtiert. Der Film ist auch auf Google Videos zu sehen, bedauerlicherweise nur in der russischsprachigen Fassung:
http://video.google.com/videoplay?docid=3846833218126330420

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