Mittwoch, 15. April 2009

Molot in Not


Die Firma Molot im mittelrussischen Wjatskije Poljany ist auch deutschen Jägern und Sportschützen bekannt, fertigt sie doch u.a. Repetierflinten, Mosin-Nagant-Gewehre und Selbstladegewehre, die auf dem Kalaschnikowsystem basieren. Dazu kommen noch Handfeuer- und Panzerabwehrwaffen für militärische Kunden - und seit einem Jahr auch ein CO2-Gewehr namens PPSh-M, welches der legendären MPi PPSh nachempfunden ist. Im März war Molot noch auf der IWA in Nürnberg präsent. Am 9. April hat nun Rußland Aktuell gemeldet, daß auch dort die weltweite Finanzkrise zugeschlagen hat und das Unternehmen ernste Liquiditätsprobleme habe:
"[...]

Ein staatseigener Herstellerbetrieb von Schusswaffen will seine Mitarbeiter jetzt mit Lebensmitteln bezahlen, weil er den Lohn schuldig bleibt. Zehn Prozent der 5.000 Mitarbeiter haben bereits eingewilligt.

Die Lohnschulden des Werkes „Molot“ in Wjatskije Polany (Gebiet Kirow) belaufen sich auf 121 Mio. Rubel (2,7 Mio. Euro). Wegen der ausstehenden Gehaltszahlungen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Allerdings ist klar, warum das Geld ausbleibt: Gerichtsvollzieher beschlagnahmen alle liquiden Mittel des staatseigenen Betriebs, um damit Forderungen von Zulieferern abzudecken.

[...]

In dieser Lage hat sich die Werksleitung als erster Betrieb Russlands zur Rückkehr zu einer Praxis entschieden, die in den Krisenjahren am Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre üblich war: Die Arbeiter sollen als Abschlagszahlung Lebensmittelpakete im Gegenwert von 630 Rubel (14 Euro) bekommen. Sie werden einfache Nahrungsmittel wie Speiseöl, Mehl, Nudeln, Buchweizen, Zucker und Fleischkonserven enthalten, schreibt der „Kommersant“.

Die Rückkehr zu einer anderen in früheren Krisenjahren erprobten wirtschaftlichen Überlebenstechnik kommt im Falle von „Molot“ nicht in Frage: Viele russische Unternehmen „bezahlten“ damals ihre Mitarbeiter mit ihren eigenen Produkten – damit diese dann dafür auf Märkten selbst Kunden suchten. „Molot“ produziert allerdings Kalaschnikow-Maschinengewehre und Panzerabwehrwaffen.

[...]"
Ausgangspunkt für die Meldung war ein Bericht der Tageszeitung Kommersant (dt.: Kaufmann) über die Lage im Werk. Sonach wartet die Geschäftsführung noch auf 450 Mio. Rubel an Staatshilfen. Das 1940 gegründete Werk wird seit 2002 in der Rechtsform einer offenen Aktiengesellschaft geführt; 50 % der Aktien gehören der staatlichen Verteidigungsholding Rostechnologii (die auch Izhmash kontrolliert). In den ersten drei Quartalen des Jahres 2008 hat Molot einen Umsatz von 864 Mio. Rubel erwirtschaftet, dabei aber 149 Mio. Verlust gemacht.

Bleibt zu hoffen, daß sich Molot wieder fängt (schließlich warte ich noch auf die PPSh-M ;-)), denn die zivilen Produkte stellen eine echte Bereicherung des Angebotes dar.


Verwandte Beiträge:
Von der Katjuscha zur Kursk
Neues von Izhmash
Demnächst neue Kalaschnikow-Modelle?
Abschied von der Kalaschnikow?
Waffenschmiede Tula
200 Jahre Waffenproduktion ...
17.12.2008: Video des Tages

Sonntag, 12. April 2009

12.04.2009: Musik des Tages

Heute hören wir die moderne Fassung eines traditionellen orthodoxen Osterliedes: "Christos voskrese" (dt.: Christus ist auferstanden).



Samstag, 4. April 2009

04.04.2009: Videos des Tages

Nicht nur in Moskau, sondern auch in St. Petersburg werden während des Sommers die Touristen mit einem feierlichen Wachaufzug der Garnison unterhalten. Aufführungsort ist dort die traditionsreiche Peter-und-Pauls-Festung.



(Teil 1)


(Teil 2)


(Teil 3)


(Teil 4)

Donnerstag, 2. April 2009

Waffenrecht in Russland

Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti hat vorgestern einen interessanten Kommentar aus der Feder von Wlad Grinkewitsch publiziert, der sich mit dem Zusammenhang zwischen legalem Waffenbesitz und Kriminalität beschäftigt:
"Waffenbesitz in Russland: Weniger Verbrechen durch mehr Kontrolle?

[...]

Hat ein Bürger das Recht, sein Leben und sein Vermögen mit einem Gewehr in der Hand zu verteidigen?
Diese Frage führt immer zu hitzigen Debatten in Politikerkreisen und an Stammtischen.

Die Praxis zeigt: ein Waffenschein führt nicht immer unbedingt zum Anstieg von Verbrechen. Ganz im Gegenteil, er kann dazu beitragen, dass die Zahl der Verbrechen sogar zurückgeht, wobei die meisten Phobien, die mit den Waffen verbunden sind, öfter auf fehlende objektive Information zurückzuführen sind.

In Russland existieren viele Mythen, die mit dem Waffengebrauch von einfachen Privatpersonen zu tun haben. Einer davon besagt, dass die russischen Bürger die weltweit wehrlosesten Menschen sind. Dies stimmt so nicht.

Seit 1994 haben alle zurechnungsfähigen und nicht vorbestraften Russen das Recht, sich einen Waffenschein zu besorgen und zu Hause ein Langlaufgewehr (doppelläufiges und Mehrladegewehr - mit manuellem Nachlader oder auch halbautomatisch) zur Selbstverteidigung aufzubewahren.

In Bezug auf den Gebrauch von Waffen für Bürger nimmt Russland eine Zwischenposition ein. Einerseits bleibt Russland noch ein weiter Weg bis zu den solchen Staaten wie Israel, die USA oder Finnland, in denen die Gesetze zum Waffenbesitz und -kauf ziemlich locker sind. Andererseits sind für Russland Verhältnisse wie in Australien und Großbritannien eher untypisch, denn dort werden die Waffengesetze kontinuierlich verschärft.

Allerdings begrenzt der russische Gesetzgeber im höchsten Maße die Möglichkeiten, die Schusswaffen zur Selbstverteidigung einzusetzen, wobei ein Langlaufgewehr nun wahrlich nicht das beste Mittel ist, um sich selbst zu Wehr zu setzen. Viel geeigneter wären hier ein Revolver oder eine Pistole. Doch den Russen ist es verboten, derartige Waffen zu besitzen.

Der bedeutende italienische Rechtsphilosoph des 18. Jahrhunderts, Cesare Beccaria, hat das Recht eines Bürgers, eine Waffe mit sich zu tragen, einmal so begründet: „Die Gesetze, die das Tragen einer Waffe verbieten, entwaffnen bloß denjenigen, der ohnehin nicht vorhat, eine Straftat zu begehen. Sie helfen den Angreifern und fügen deren Opfern Schaden zu, sie begünstigen einen Mord und verhindern ihn nicht.“

Die russischen Gegner des Waffenbesitzes für Privatpersonen insgesamt haben viele Einwände parat. Am häufigsten hört man den folgenden Satz: „Können Sie sich vorstellen, was passieren würde, wenn unsere Leute Waffen in die Finger kriegen würden - wir alle würden uns einfach gegenseitig abknallen“. Doch die Statistik spricht eine andere Sprache.

Das russische Waffengesetz, das den Erwerb eines Langlaufgewehrs zur Selbstverteidigung zulässt, gilt bereits seit 15 Jahren. Seitdem haben die russischen Bürger insgesamt mehr als fünf Millionen Schusswaffen angehäuft, wobei die Zahl der mit Hilfe einer legalen Waffe verübten Straftaten nur um 0,5 Prozent zunahm.

Jährlich werden in Russland etwa 20 000 Verbrechen unter Anwendung von Schusswaffen begangen, die legalen Waffen machen dabei lediglich den Bruchteil eines Prozents aus. Durchschnittlich entscheidet sich nur einer von 40 000 Waffenbesitzern dazu, eine Straftat mit Hilfe seiner legal zugelassenen Waffe zu begehen.

Die weltweite Praxis zeigt, dass die Erlaubnis des Waffenbesitzes nicht unbedingt zum Anstieg der Kriminalität führt, das Verbot aber schon. Die US-Städte, in denen das Tragen einer Waffe verboten ist (Washington, Chicago, New York), zeichnen sich durch die ungewöhnlich hohen Kriminalitätsraten aus. In den US-Bundesstaaten hingegen, wo das Recht des verdeckten Tragens einer Waffe eingeführt worden war, war ein Rückgang der Zahl der Straftaten wie Mord, Raubüberfall oder Vergewaltigung zu beobachten.

Was veranlasst also den Staat, seine eigenen Bürger zu entwaffnen? Es ist des Öfteren die Reaktion auf die so genannte „nicht motivierte“ Gewalt. Doch die Europäer und die Amerikaner haben schon seit Jahrhunderten Schusswaffen bei sich zu Hause, die Zahl der Amokläufe nahm dramatisch nur in den letzten Jahrzehnten zu. Die Psychologen stellen bisweilen häufiger fest, dass zur Waffe vermehrt die Generation greift, die vor der Flimmerkiste und vor dem Computer aufwächst.

Andererseits ist es möglich, Amok auch ohne Schusswaffen zu laufen. Erinnern wir uns bloß an die Messerstecherei in einer belgischen Kinderkrippe, wo nach Angaben der Polizei zwei Kinder und ein Erwachsener getötet worden waren. Oder nehmen wir ein Beispiel in Moskau, wo ein Mann mit einem geklauten Auto etwa 16 Menschen niederfuhr - aus Protest gegen ökonomische und soziale Missstände, hieß es. Niemand wollte danach die Küchenmesser oder die Autos verbieten. Apropos Autos: Im vergangenen Jahr wurden in Russland fast 30000 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet."

PS: Der Text des Föderalen Waffengesetzes der RF ist hier zu finden.


Verwandte Beiträge:
22.03.2009: Bilder des Tages
19.03.2009: Bilder des Tages
20.03.2009: Bilder des Tages