Montag, 13. Oktober 2008

Filme: Erster Weltkrieg und russischer Bürgerkrieg

In den letzten Wochen hatte ich gezwungenermaßen etwas mehr Zeit, um mich durch meine Filmsammlung zu arbeiten. Drei der empfehlenswertesten davon sollen nachfolgend vorgestellt werden.


"Gibel Imperii" (dt.: Der Niedergang des Imperiums; vgl. auch hier und hier) ist m.E. einer der besten Filme zu diesem Thema. Die Handlung der zehnteiligen Reihe beginnt im Sommer 1914 und endet 1918, kurz nach Beginn des russischen Bürgerkrieges.

Der Held der Handlung, Hauptmann Kostin, ist eine eigenwillige Figur. Im Japanisch-russischen Krieg war er 1905 in japanische Kriegsgefangenschaft geraten und hatte sich einige Zeit im Land der aufgehenden Sonne aufgehalten. Dabei kam es nicht nur zu einer unglücklichen Liebe, Kostin erlernte auch die japanische Fechtkunst. Diese praktiziert er auch nach seiner Rückkehr nach St. Petersburg (die Stadt ist übrigens auch das Zentrum des Films). Die ständigen Kendo-Reminiszenzen erinnern ein wenig an die Arbeiten Yukio Mishimas. Auch sonst ist Kostin kein Duckmäuser, der sich seine Unterordnung unter die Obrigkeit des Zaren nicht leicht macht. Er wird als ausgesprochener Individualist gezeichnet: weder Panslawist und "Untertan", noch Westler und Revolutionär. Eines aber ist er auf jeden Fall: Offizier.

Zusammen mit zwei Kameraden dient er in der Spionageabwehr des russischen Militärs. Damit ist zugleich das Genre der Serie, die Kriminalgeschichte, genannt. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges wie auch während desselben gilt es, Geheimnisse der eigenen Seite zu schützen oder an deutsche und österreichische heranzukommen. Das alles ist spannend erzählt, ohne dabei in Klischees und Gemeinplätze abzugleiten.
Der Handlungsbogen ähnelt in seiner Fokussierung auf die Probleme der zarischen Regierung und auf die (vom Ausland kräftig unterstützten) sozialistischen (Berufs-)Revolutionäre der Romanserie "Das rote Rad" des kürzlich verstorbenen Alexander Solschenizyn.
Recht ausführlich werden die Ereignisse von der Februarrevolution bis zum Beginn des Bürgerkrieges dargestellt: Die Absetzung des Zaren, die zersetzende Arbeit der Anhänger Lenins (der vom deutschen Nachrichtendienst aus seinem Schweizer Exil geholt wurde), der hoffnungslose Versuch des Generals Kornilow, die provisorische Regierung zu retten, die gewaltsamen Übergriffe und Hinrichtungen infolge der Oktoberrevolution, die Tatsache, daß zu den Berufsrevoluzzern auch notorische Kriminelle zählten, ferner die zeitweilige Besetzung der Ukraine durch Truppen der Mittelmächte, überhaupt die chaotischen Verhältnisse dieser Monate ...
Dazu kommt noch das notorische Unverständnis der alten Eliten für die politische Natur der Bolschewiki im allgemeinen und deren (rational kaum begreifbare) Gewaltorgien im besonderen.

Sowjetische und russische Filme sind im allgemeinen sehr korrekt, was die Darstellung von Waffen, Uniformen und Militärmaterial angeht, was man von vielen Hollywoodstreifen nicht behaupten kann. Und so kommt der Waffenkenner auch bei "Gibel Imperii" auf seine Kosten: zahlreiche Taschenpistolen, die zu Beginn des 20. Jh. große Mode waren, werden gezeigt, dazu natürlich Nagant-Revolver, Mosin-Nagant-Gewehre, Parabellumpistolen und - in den Händen eines österreichischen Nachrichtenoffiziers - eine Steyr M 1912.

Fazit: Diese Reihe über den Niedergang des Zarenreiches ist unbedingt sehenswert. Einige Folgen sind auch online greifbar. Hier noch ein Video mit der Filmmusik der Gruppe Lyube und Szenen aus der Serie:





"Gospoda Ofitsery - Spasti Imperatora" (dt.: Meine Herren Offiziere - Rettet den Kaiser; vgl. auch hier und hier) ist eher ins Genre der Actionfilme einzuordnen. Die Handlung ist schnell erzählt: Der letzte Zar, Nikolaus II., befindet sich während des Bürgerkrieges samt seiner Familie in der Hand der Bolschewiki in Jekaterinburg. Ein paar mutige Offiziere der Weißen Truppen fassen den Entschluß, ihren ehemaligen Herrscher in einem Kommandounternehmen zu befreien. Und so geht denn alles seinen Gang: Es wird viel geritten, gekämpft und geschossen.
Bei letzterem kommt wiederum der Waffenkenner auf seine Kosten. Ich habe bspw. noch nie in einem Film so viele C 96-Pistolen gesehen wie in diesem. (Was historisch korrekt ist, schließlich war die Waffe im russischen Bürgerkrieg und danach dort sehr beliebt.)
Der Film erinnert an einen guten Western. Viel Action, wenig Rahmenhandlung. Und der Zuschauer kann desöfteren auch einmal herzhaft lachen. Aber auch im Film wird die Geschichte nicht gänzlich umgeschrieben: Der Rettungsversuch für die Zarenfamilie scheitert am Ende.

Nachfolgend ein Video mit Szenen aus dem Film:





"Korona Rossijskoj Imperii" (dt.: Die Krone des Russischen Imperiums; vgl. hier und hier) ist eine noch zu tiefsten Sowjetzeiten entstandene dreiteilige Filmreihe über den heroischen Kampf junger Komsomolzen im russischen Bürgerkrieg. Damit ist die ideologische Grundrichtung zwar klar, dennoch handelt es sich um durchaus sehenswerte Mantel-und-Degen-Filme ohne allzu viel vordergründige Propaganda. Sie sind actionreich und witzig. Die Handlung erzählt die Geschichte des Diebstahls der Zarenkrone durch russische Emigranten (um im Pariser Exil einen neuen Zaren krönen zu können) und deren Wiederbeschaffung durch die Helden des Films.
Hier ein Ausschnitt:





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