Freitag, 7. Mai 2010

Die Feierlichkeiten zum Kriegsende


Morgen bzw. übermorgen jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem europäischen Kriegsschauplatz zum fünfundsechzigsten Mal. Aus diesem Anlaß wird es wiederum zahlreiche Feierlichkeiten in ganz Europa geben. Um diese soll es nachfolgend gehen, denn zum eigentlichen Thema möchte ich morgen noch etwas schreiben.

In Moskau werden wohl mit die größten Feiern stattfinden. An der taditionellen Militärparade zu Lande und in der Luft werden neben russischen Truppen auch Kontingente aus neun GUS-Staaten (Belarus, Ukraine, Kasachstan, Armenien, Aserbaidschan, Kirgistan, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenistan) sowie aus Polen, Frankreich, Großbritannien und den USA teilnehmen - und zwar nicht unter irgendwelchen Stalinporträts. Dazu kommen zahlreiche Kriegsveteranen sowie Politiker aus über 45 Staaten, darunter u.a. die Staatschefs von Frankreich, Israel und China. Deutschland wird durch Kanzlerin Merkel vertreten werden.

Die Parade beginnt um 8.00 Uhr MESZ und wird etwa 80 Minuten dauern. Es haben sich auch Dutzende deutscher Medienvertreter angekündigt und es ist eine Live-Übertragung auf Phoenix geplant, welche auch per Livestream im Internet zu sehen sein wird (ab 7.55 Uhr). Wem die oftmals unqualifizierten Kommentare des WDR-Personals nicht behagen, dem seien stattdessen die Webstreams von Russia Today (englisch), RTR Planeta (russisch) sowie RIA Nowosti empfohlen.

Vor fünf Jahren, am 9. Mai 2005, waren vom damaligen Präsidenten Putin (dem "Deutschen im Kreml") auch deutsche Veteranen des 2. WK nach Moskau eingeladen worden. Einer der damaligen Teilnehmer hat darüber einen lesenswerten Bericht verfaßt. Leider konnte ich den deutschen Medien nicht entnehmen, ob dies auch in diesem Jahr wieder der Fall sein wird.

PS: Am Sonntagabend findet im Moskauer Lushniki-Stadion das traditionelle Festkonzert zum 9. Mai statt, wo u.a. Ljube, Lew Leschtschenko und viele weitere Künstler auftreten. Übertragen wird es ab 20.00 Uhr MESZ von RTR Planeta.


Am 30. April wurde das Ewige Feuer am Grabmahl des unbekannten Soldaten neu entzündet.


Weitere Verweise:

RIA Nowosti mit Berichten und Fotoreihen zum 65. Jahrestag (dt.)

May9.ru - Termine, Bilder, Berichte, Videos, Medienunterstützung (dt.)

War Witness - Erinnerungen von Veteranen aus ganz Europa, zusammengestellt von RT auf Youtube (eng.; siehe auch hier)

Siegestag im Zweiten Weltkrieg - Die Bedeutung des 9. Mai und die traditionellen Feierlichkeiten (dt.)

Pobediteli - Die Soldaten des Großen vaterländischen Krieges (eng.)

Chronik 1941-1945 - Dokumente, Karten, zeitgenössische Medien, Fotos, Videos (russ.)


Nächtliches Paradetraining mit historischer Panzertechnik auf dem Roten Platz. (Fotos: RIA Nowosti.)


Verwandte Beiträge:
TV-Hinweis für den 9. Mai
10.05.2009: Video des Tages
23.05.2009: Videos des Tages

Montag, 3. Mai 2010

Die Russischen Schießsport-Meisterschaften 2010


Heute sind die diesjährigen Rußländischen Meisterschaften im Schießsport, konkret: in einem Teil der ISSF-Disziplinen, zu Ende gegangen. Seit dem 26. April hatten die Gewehr- und Pistolenschützen in Krasnodar miteinander gewetteifert. Die Flintenwettbewerbe, die schon am 22.04. begonnen hatten und bis zum 29.04. dauerten, wurden im Sankt Petersburger Schießsportklub "Olimpijez" ausgetragen. Da darüber in Deutschland kaum etwas bekannt sein dürfte, möchte ich kurz berichten und die Ergebnisse mitteilen. Dies ist vielleicht auch mit Blick auf die im Juli und August anstehenden Weltmeisterschaften in München von Interesse.

Aus Platzgründen mußten die Meisterschaften auf zwei verschiedene Orte aufgeteilt werden. Da auch am Hauptveranstaltungsort Krasnodar die Kapazitäten eingeschränkt sind, konnten mehrere Disziplinen nur als Mannschaftswettkämpfe geschossen werden. So auch die KK-Gewehrdisziplinen der Frauen, wo dennoch die bekannte Ljubow Galkina zweimal Gold gewinnen konnte. (In der RF gibt es derzeit lediglich zwei große Schießstände, auf denen vollumfängliche Russische Meisterschaften möglich sind: im Moskauer Gebiet und in Chabarowsk. Über Entwicklung des russischen Schießsports im allgemeinen werde ich demnächst noch etwas schreiben.)

Nachfolgend die Resultate, soweit sie bisher im Internet veröffentlicht worden sind. Man beachte bitte die z.T. mit Verweisen hinterlegten Namen der Sportler. Wenn man deren Biographien liest, so fällt auf, daß kein kleiner Teil schon über 30 Jahre alt ist, während jetzt erst wieder jüngere nachkommen. Ein paar Jahrgänge um das Geburtsjahr 1980 herum scheinen infolge der turbulenten 1990er Jahre für den Sport weitgehend verloren zu sein. Ferner waren bei weitem nicht alle Föderationssubjekte der RF mit ihren Schützen auf den Meisterschaften vertreten (in den KK-Disziplinen beispielsweise nur 31 von 83).

Als Informationsquellen, auch für die Bilder, dienten mir die Webseite der Schützenunion Rußlands [SSR] sowie der Informationsdienst Sportbox.ru. Auf beiden Seiten sollten demnächst auch Fotos und Videos zu finden sein.



Gewehrdisziplinen (Krasnodar)

Luftgewehr (10 m, Frauen):
1. Jekaterina Pankowa (Jushno-Sachalinsk) - 501,4 = 398 + 103,4 Ringe;
2. Walentina Protasowa (Ulan-Ude) - 499,8 = 398 + 101,8;
3. Marina Bobkowa (Moskau) - 499,4 = 399 + 100,4.

Luftgewehr (10 m, Männer):
1. Denis Sokolow (Irkutsk) - 701,6 = 597 + 104,6 Ringe;
2. Sergej Kruglow (Chabarowsk) - 700,7 = 596 + 104,7;
3. Konstantin Prichodtschenko (Belgorod) - 700,5 = 597 + 103,5.

Luftgewehr auf die laufende Scheibe im Langsamlauf (10 m, Frauen):
1. Irina Ismalkowa (Kon-Kolodes) - 375 Ringe;
2. Julia Eidenson (Omsk) - 370;
3. Wiktoria Uwarowa (Krasnodar) - 366.

Luftgewehr auf die laufende Scheibe im Schnell- und Langsamlauf (10 m, Männer):
1. Dmitrij Romanow (Moskau) - 584 Ringe;
2. Maxim Stepanow (St. Petersburg) - 583;
3. Alexander Blinow (Chabarowsk) - 579.

Luftgewehr auf die laufende Scheibe im Mix 20+20 (10 m, Frauen):
1. Julia Eidenson (Omsk) - 378 Ringe;
2. Irina Ismalkowa (Kon-Kolodes) - 377;
3. Marina Gulak (St. Petersburg) - 357.

Luftgewehr auf die laufende Scheibe im Mix 20+20 (10 m, Männer):
1. Maxim Stepanow (St. Petersburg) - 384 Ringe;
2. Dmitrij Lykin (Omsk) - 382;
3. Jurij Jermolenko (Belgorod) - 379.

Dreistellungskampf mit dem KK-Gewehr (50 m, Männer):
1. Konstantin Prichodtschenko (Belgorod) - 1278,8 = 1176 + 102,8 Ringe;
2. Artjom Chadshibekow (Domodedowo) - 1262,9 = 1165 + 97,9;
3. Alexej Kamenskij (Naro-Fominsk) - 1260,4 = 1160 + 100,4.

English Match mit dem KK-Gewehr (50 m, Männer):
1. Konstantin Prichodtschenko (Belgorod) - 701,8 = 595 + 106,8 Ringe;
2. Wladimir Maslennikow (Lesnoj) - 696,1 = 595 + 101,1;
3. Artjom Chadshibekow (Domodedowo) - 693,4 = 589 + 104,4.



Mannschaftswettkampf mit dem KK-Gewehr im Dreistellungskampf (50 m, Frauen):
1. Moskauer Gebiet (L. Galkina, O. Lukina, P. Choroschewa) - 1730 Ringe;
2. Chabarowskij Kraj (A. Niskoschapskaja, A. Iwatschewa, A. Selesnewa) - 1719;
3. Udmurtische Republik (M. Feklistowa, D. Wdowina, Ja. Mogirewa) - 1716.
(In Udmurtien liegt übrigens die berühmte Waffenstadt Ishewsk.)

Mannschaftswettkampf mit dem KK-Gewehr im Dreistellungskampf (50 m, Männer):
1. Belgorod (K. Prichodtschenko, A. Kowaljew, N. Suworow) - 3445 Ringe;
2. Chabarowsk (S. Kruglow, A. Kosizyn, N. Kuschnarjew) - 3440;
3. St. Petersburg (S. Kowalenko, N. Antonow, S. Schtscherdin) - 3438.

Mannschaftswettkampf mit dem KK-Gewehr im English Match (50 m, Frauen):
1. Moskauer Gebiet (L. Galkina, O. Lukina, I. Budajewa) - 1760 Ringe;
2. Udmurtische Republik (D. Wdowina, M. Feklistowa, A. Werschinina) - 1759;
3. Gebiet Wologda (W. Filipenko, Je. Maljugina, A. Troschenkowa) - 1758.



Pistolendisziplinen (Krasnodar)

Luftpistole (10 m, Frauen):
1. Anna Mastjanina (Samara) - 485,3 = 388 + 97,3 Ringe;
2. Olga Kusnezowa (Samara) - 484,0 = 386 + 98,0;
3. Swetlana Smirnowa (St. Petersburg) - 482,2 = 384 + 98,2.

Luftpistole (10 m, Männer):
1. Wladimir Isakow (Puschkino) - 684,0 = 583 + 101,0 Ringe;
2. Denis Kulakow (Tscheljabinsk) - 683,6 = 584 + 99,6;
3. Anton Gurjanow (Rostow am Don) - 683,2 = 582 + 101,2.

Schnellfeuerpistole (25 m, Männer):
1. Anton Gurjanow (Rostow am Don) - 777,5 = 580 + 197,5 Ringe;
2. Dmitrij Brajko (Krasnodar) - 776,2 = 582 + 194,2;
3. Alexej Klimow (Moskau) - 775,2 = 578 + 197,2.

Manschaftswettkampf mit der Freien Pistole (50 m, Männer):
1. Moskauer Gebiet (W. Isakow, S. Tscherwjakowskij, M. Nestrujew) - 1661 Ringe;
2. Permskij Kraj (R. Ajupow, A. Masagutow, A. Mingasow) - 1643;
3. Moskau (A. Danilow, P. Kanotschkin, I. Degtjarew) - 1635.

Mannschaftswettkampf mit der KK-Sportpistole (25 m, Männer):
1. Gebiet Samara (S. Schtschepetkow, A. Schtschepetkow, N. Repitschew) - 1679 Ringe;
2. Moskau (A. Klimow, A. Danilow, P. Kanotschkin) - 1671;
3. St. Petersburg (A. Grusdjew, G. Rodin, D. Stafura) - 1670.

Mannschaftswettkampf mit der Schnellfeuerpistole (25 m, Männer):
1. Krasnodar (D. Brajko, A. Wyskrebzew, A. Brajko) - 1706 Ringe;
2. St. Petersburg (G. Rodin, A. Grusdjew, D. Stafura) - 1694;
3. Lipezk (I. Stukatschew, O. Barabanow, A. Jaskjewitsch) - 1682.

Mannschaftswettkampf mit dem Revolver (25 m, Männer):
1. St. Petersburg (A. Grusdjew, G. Rodin, D. Stafura) - 1705 Ringe;
2. Moskau (A. Klimow, A. Danilow, P. Kanotschkin) - 1695;
3. Gebiet Kemerowo (A. Gretschko, W. Bailagaschjew, A. Glebow) - 1677.



Flintendisziplinen (St. Petersburg)

Skeet (Frauen):
1. Olga Panarina (Nowosibirsk) - 89 = 66 + 23;
2. Swetlana Demina (Tatarstan) - 88 = 66 + 22;
3. Julia Njefjedowa (Nowosibirsk) - 86 = 67 + 19.

Skeet (Männer):
1. Walerij Schomin (Moskau) - 144 = 119 + 25;
2. Oleg Tischin (Gebiet Rostow) - 142 = 118 + 24;
3. Konstantin Zuranow (Nowosibirsk) - 139 (+6) = 117 + 22.

Trap (Frauen):
1. Maria Wolkowa (Gebiet Tula) - 78 = 59 + 19;
2. Tatjana Barsuk (Gebiet Lipezk) - 77 = 62 + 15;
3. Lilija Walejewa (Tatarstan) - 75 = 59 + 16.

Trap (Männer):
1. Maxim Kosarjew (Moskau) - 135 = 115 + 20;
2. Igor Tschjebanow (Gebiet Rostow) - 134 = 111 + 23;
3. Dmitrij Poluchin (Gebiet Lipezk) - 132 = 110 + 23.

Doppel-Trap (Männer):
1. Alexander Furasjew (Tatarstan) - 177 = 130 + 47;
2. Michail Lejbo (Gebiet Lipezk) - 175 (+6) = 131 + 44;
3. Wassilij Mosin (Tatarstan) - 175 (+5) = 130 + 45;



Mannschaftswettkampf im Skeet (225 Ziele, Frauen):
1. Nowosibirsker Gebiet (Ju. Njefjedowa, O. Panarina, Komowalowa) - 194;
2. Tatarstan 1 (S. Demina, A. Protasowa, Mitjaschewa) - 186;
3. Tatarstan 2 (Kwartalowa, Ponedelnikowa, Firsowa) - 183.

Mannschaftswettkampf im Skeet (375 Ziele, Männer):
1. Moskau (W. Schomin, S. Pokrowskij, Starzew) - 347;
2. Gebiet Lipezk (Suchanow, A. Astachow, Bondar) - 339;
3. Gebiet Rostow (N. Pilschtschikow, N. Tjeplyj, Dudnik) - 334.

Mannschaftswettkampf im Trap (225 Ziele, Frauen):
1. Moskau (I. Laritschewa, N. Dawydowa, N. Swjaginzewa) - 175;
2. Gebiet Lipezk (T. Barsuk, Meschtscherjakowa, L. Chochlowa) - 166;
3. Gebiet Woronesh (E. Tkatsch, Prochorowa, Je. Motschalowa) - 162.

Mannschaftswettkampf im Trap (375 Ziele, Männer):
1. Gebiet Lipezk - 318;
2. Moskauer Gebiet - 309;
3. Moskau 1 - 309.

Mannschaftswettkampf im Doppel-Trap (300 Ziele, Männer):
1. Gebiet Lipezk 1 (W. Fokejew, M. Lejbo) - 261;
2. Tatarstan 1 (A. Wawilow, W. Mosin) - 256;
3. Gebiet Lipezk 2 (M. Lasarjew, A. Nekrasow) - 248.



Verwandte Beiträge:
Schießsport in der ehemaligen UdSSR und Rußland
Zur Lage des Schießsports in Rußland
Luftpistolenschießen wird immer populärer
Schießsport im Fernsehen
Dienstgewehrschießen mit CO2-Waffen
25.03.2009: Video des Tages

Dienstag, 20. April 2010

20.04.2010: Musik des Tages

Jelena Wajenga (auch Elena Vaenga geschrieben) ist eine russische Sängerin, Komponistin und Schauspielerin, die sich besonders Chansons widmet. Aus ihrem umfangreichen Repertoire hören wir heute ein Lied über die Kämpfe des Zweiten Weltkriegs mit dem Titel "Po polju tanki grochotali" (dt.: Auf dem Feld krachten die Panzer), das ursprünglich für einen Spielfilm komponiert wurde.




PS: Die Reihe zum Waffenrecht der DDR wird voraussichtlich morgen fortgesetzt.

Sonntag, 21. März 2010

Leipziger Messesplitter


Zunächst bitte ich um Pardon für meine lange Abstinenz, doch waren die letzten Wochen sehr hektisch, so daß wenig Zeit für den Blog blieb. :-(

Heute geht die diesjährige Leipziger Buchmesse zuende und ich hatte am Freitag nach längerer Abstinenz wieder einmal die Gelegenheit, dort meiner bibliomanen Veranlagung zu frönen. Aufgefallen ist mir dabei das Fehlen vieler kleinerer Verlage, wobei ich nicht weiß, ob dies eine Folge der Wirtschaftskrise ist oder ob man mittlerweile neue Vertriebsstrukturen (via Internet?) aufgebaut hat und daher glaubt, auf einen Messestand verzichten zu können. Das betrifft nicht nur kleine Fach- und Nischenverlage, sondern auch solche mit einem (eigentlich) breiteren historischen und philosophischen Angebot wie z.B. den Wiener Karolinger-Verlag. Ohne deren Präsenz auf früheren Leipziger Buchmessen hätte ich lange nichts von deren Existenz erfahren, bis sie vor ein paar Jahren von der FAZ einem breiten Publikum vorgestellt worden sind. Dabei können gerade kleine Verlage von einem Messestand profitieren, denn so werden potentielle Leser mit Titeln bekannt gemacht, die kaum jemals in einer Buchhandlung zu finden sein werden und nur per Direktbestellung erhältlich sind.

Nach diesen allgemeinen Gedanken möchte ich meinen Lesern nachfolgend einige interessante Messefunde vorstellen. Keines dieser Bücher habe ich bisher gelesen, aber sie machten beim Durchblättern doch allesamt einen positiven Eindruck. Die Qualität der Fotos ist bescheiden, sind sie doch zumeist direkt auf den Messeständen gemacht worden.


1. Waffen, Jagd, Militärgeschichte


Der Mittler-Verlag kündigt für den Sommer das Erscheinen eines neuen Titels des Schweizer Autors Kaj-Gunnar Sievert an, das unter dem Titel "Kommandounternehmen - Verdeckter Zugriff - Special Forces im Einsatz" steht und an Sieverts erstes Buch über dasselbe Thema anknüpft. Was bisher über den Inhalt bekannt ist, klingt sehr vielversprechend und es steht defintiv auf meiner "To-do"-Liste.

Der Motorbuch-Verlag und die mit ihm "verwandten" Verlage haben eine kleine Auswahl aus ihrem Angebot präsentiert. Am interessantesten waren aus meiner Sicht Wolfdieter Hufnagl: "Karabiner M1", Jean Huon: "Geschichte der Mauser Pistolen" sowie die Publikationen des Messerdesigners Dietmar Pohl.

Auf dem Stand des österreichischen Ares-Verlages sind mir zwei Titel aufgefallen, die ebenfalls mit großer Sicherheit demnächst mein Regal füllen werden. Zum einen Heinz Mazulla: "Ehrensache! Das Pistolenduell" (ein kulturhistorisch wichtiger Aspekt der europäischen Waffengeschichte) und ferner Stefan Strasser: "Sniper - Militärisches und polizeiliches Scharfschützenwissen kompakt" (was eines der wenigen guten deutschsprachigen Werke zum Thema zu sein scheint).

Das Brandenburgische Verlagshaus (ehemals Militärverlag der DDR) hat mehrere deutsche Übersetzungen der englischen Osprey-Hefte und weitere militärhistorische Schriften vorgestellt, die durchweg einen guten Eindruck machen. Darunter befindet sich auch eine Abhandlung über "Die Armee Peters des Großen".



Der Markleeberger Sax-Verlag hat sich eines wenig behandelten Themas angenommen und 2008 das Buch von Holger Richter über "Die Kunst der Armbrustmacher in Dresden" herausgebracht. Zudem finden sich im Programm des Verlages viele interessante Titel, häufig mit einem regionalgeschichtlichen Akzent.



In Oschersleben ist der Dr. Ziethen-Verlag beheimatet, dessen Schwerpunkt ebenfalls auf regionalgeschichtlicher Literatur liegt. Otto Hennings "Gefährliche Jagdleidenschaft - Die Geschichte eines Wilderers" ist ein Roman, dem jedoch eine wahre Geschichte zugrundeliegt. Von den 1920er bis in die 1950er Jahre hinein - also mitten im 20. Jahrhundert! - konnte in der Altmark ein Wilderer sein Unwesen treiben. Man glaubt es kaum, aber unter Ausnutzung der wechselvollen Zeitläufte und mit Duldung der örtlichen Bevölkerung gelangen ihm Bubenstücke, die man sonst wohl nur aus alten Sagen kennt.



Desselben Oberthemas hat sich auch der (ähnlich profilierte) Tauchaer Verlag mit seinen "Wahren Geschichten um Stülpner Karl" angenommen und behandelt darin den sächsischen Wilderer und Volkshelden.

Etwas gesitteter geht es dagegen in Frank Hofmann: "Zwischen Pirsch und Ansitz" zu, das im Heinrich Jung-Verlag, Zella-Mehlis, erschienen ist. Darin schildert der Autor seine Jagderlebnisse aus Thüringen, aber auch aus Jagden in Übersee. Der Verlag hat überdies auch militärgeschichtliche Titel im Angebot.



Es fällt auf, daß in den letzten Jahren zahlreiche Bücher über die Volksmarine der DDR erschienen sind. So etwa Dieter Flohr: "Volksmarine - Betrachtung einer deutschen Flotte 1950-1990", erschienen im kleinen Rostocker BS-Verlag (ISBN: 3-89954-138-3).

Im gleichen Segment der maritimen Literatur ist auch der (ebenfalls in Rostock beheimatete) Ingo-Koch-Verlag aktiv. Neben militärgeschichtlichen Titeln finden sich in seinem Angebot auch mehrere zur zivilen Schiffahrt der DDR. Mein besonderes Interesse hat jedoch ein anderes Buch geweckt, nämlich Horst Steigleder: "Stalins Terror und die Rote Flotte - Schicksale sowjetischer Admirale 1936–1953". Darin untersucht der Autor die Auswirkungen der stalinschen Säuberungen auf das Offizierskorps der sowjetischen Seekriegsflotte anhand von einzelnen Biographien. Ein Buch, das ich mir auf jeden Fall näher ansehen werde.



Auf dem russischen Gemeinschaftsstand, der von der Moskauer Stadtverwaltung und einer großen Moskauer Buchhandlung organisiert wurde, waren zahlreiche Publikationen von Verlagen aus der RF zu finden. Mit am interessantesten war m.E. der bereits 2005 erschienene Bildband "Michail Kalaschnikow - Welikij russkij orushejnik" (dt.: Michael Kalaschnikow - Ein großer russischer Waffenschmied; ISBN: 5-224-05163-0). Die Autoren berichten ausführlich aus dem Leben des bekannten Konstrukteurs, angefangen von seiner Kindheit und Jugend bis zu seinem jetzigen Rentnerdasein. Dabei werden auch Einblicke in die Büros und Werkhallen von Izhmash gewährt und es finden sich Darstellungen vieler seiner Waffen inkl. Prototypen. In Deutschland kann man das Buch über den örtlichen Buchhandel oder, falls dort nicht möglich, beim Berliner Versandhändler Kurier der Zarin bestellen.



2. Rußland, Sowjetunion

Damit sind wir beim zweiten Teilgebiet angelangt, also bei Büchern, die Rußland oder die Sowjetunion zum Thema haben, ohne dabei im engeren Sinne waffen- oder militärgeschichtlich zu sein.

Da ist zunächst der am oben schon erwähnten Gemeinschaftsstand gezeigte Bildband "Okna TASS 1941 - 1945" zu nennen (dt.: Das Fenster der TASS 1941-1945; Moskau 2007, ISBN: 978-5-93882-034-0). Darin werden die von der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS während des Zweiten Weltkrieges verbreiteten Propagandaplakate in Bild und Text vorgestellt.



Dieselbe Richtung schlagen die folgenden Bücher ein. In einem mir unbekannten Verlag sind zwei Bände von Albert Pflüger unter dem Titel "Vorwärts zum Sieg! Illustrierte sowjetische Feldpost des 2. Weltkrieges" erschienen (vgl. hier und hier). Wer sich für zeitgenösische sowjetische Feldpostkarten interessiert, dürfte darin fündig werden.



Bei Basisdruck in Berlin ist bereits vor neun Jahren "1940 - Stalins glückliches Jahr" von Wladislaw Hedeler und Nadja Rosenblum erschienen. Ein interessantes Panorama aus der Zeit des "Hochstalinismus", das sowohl die Haupt- und Staatsaktionen als auch das Altagsleben der Sowjetbürger in jenem Jahr behandelt.



Blenden wir zurück ins 19. Jahrhundert. Der oben bereits erwähnte BS-Verlag hat im vergangenen Jahr eine Krusenstern-Biographie von Erwin Seppelt herausgebracht ("Adam Johann von Krusenstern - Ein Porträt"; ISBN: 978-3-867856-073-5). Darin wird der Lebensweg des baltendeutschen Seeoffiziers nachgezeichnet, der die erste Weltumseglung eines russischen Schiffsverbandes leitete und später zum Admiral aufstieg. (Dieses Buch war mein persönliches Mitbringsel von der Buchmesse und ich denke, daß die 10 € gut angelegt sind. :-))



Einem anderen Kapitel der deutsch-russischen Beziehungen im 19. Jh. widemt sich Bettina Altendorf in "Die russischen Sänger des Königs und die Kolonie Alexandrowka in Potsdam", erschienen im Berliner Bäßler-Verlag. Der Titel sagt es schon aus, es geht um die Geschichte der in der Potsdamer Siedlung Alexandrowka nach den Befreiungskriegen angesiedelten russischen Familien.



Der Bäßler-Verlag hat auch ein architekturgeschichtliches Werk vorgestellt. Im Sammelband "The Soviet Heritage and European Modernism" wird die moderne sowjetische Architektur, insbesondere aus den 1920er bis 1950er Jahren, behandelt.



Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im heutigen Rußland werden von Kai Ehlers in "Russland - Herzschlag einer Weltmacht" thematisiert. Bisher kannte ich Ehlers vor allem als in der RF lebenden Journalisten, dessen Artikel allerdings von sehr wechselnder Qualität waren. Nach einem ersten Querlesen scheint mir dieses Buch jedoch recht gut zu sein (was vielleicht auch am zusätzlichen Platz liegt, auf dem er seine Gedanken ausführen kann), weshalb es sich einen Platz auf meiner kurz- bis mittelfristigen Leseliste gesichert hat.



Der zur Suhrkamp gehörende Verlag der Weltreligionen hat eine interessante Einführung in die Welt der orthodoxen Kirchen vorgelegt: "Im Geist des Ostens leben - Orthodoxe Spiritualität und ihre Aufnahme im Westen" von Martin Tamcke. Ich denke, dieser Band ist - ebenso wie die schon etwas ältere Abhandlung von Rolf Kemp: "Kerzen, Chöre und Ikonen" - gut geeignet, um dem interessierten deutschen Leser die fremdartig erscheinende Religiösität und Entwicklung der Ostkirchen näherzubringen.

Im belletristischen Bereich haben sich die Bücher "Metro 2033" und der Nachfolgeband "Metro 2034" von Dmitri A. Gluchowskij offenkundig zu Bestsellern entwickelt, die ich nicht unerwähnt lassen möchte, da Gluchowskij in Leipzig auch persönlich präsent war und gestern eine Lesung durchgeführt hat. Ich selbst bin noch immer nicht mit "Metro 2033" fertig, was wohl auch noch eine Weile dauern wird, denn Science-Fiction und Fantasy sind nicht so mein Fall.



Wem das alles zu hoch und zu anstrengend ist, der sei auf "Das große Buch der russischen Küche" von Christina Brock hingewiesen, das im Stocker-Verlag Graz erschienen ist, von dem übrigens auch Jagdliteratur feilgeboten wird.

In diesem Sinne wünsche ich "guten Appetit" und anregende Lektüreerlebnisse, auch wenn die Natur uns nach dem langen Winter gerade an die frische Luft lockt. Denn vom Eise befreit sind Strom und Bäche ... aber damit sind wir schon wieder bei Goethe. ;-)