Mittwoch, 9. Juni 2010

Transportflieger für den deutschen Katastrophenschutz


Der deutsche Bevölkerungsschutz besteht nicht nur aus der nächstgelegenen Feuer- und Rettungswache, deren Kräfte uns im Alltag etwa bei Verkehrsunfällen oder Wohnungsbränden begegnen. Er hat – wie mittlerweile in vielen Staaten der Welt – auch eine internationale Dimension. Ob es um Überflutungen in Polen, Wirbelstürme in Frankreich, Tsunamis in Südostasien oder Erdbeben auf Haiti geht – immer stehen die meist ehrenamtlichen Helfer bereit, um auch jenseits des eigenen Staatsgebietes in Not geratenen Menschen schnellstmöglich Hilfe zu leisten. Vorreiter innerhalb der Bundesrepublik war insofern das Technische Hilfswerk (THW), das in der Rechtsform einer Bundesanstalt dem Bundesinnenministerium untersteht. Hervorzuheben sind hier vor allem die Schnelleinsatzeinheit für Bergung im Ausland (SEEBA) und die Schnelleinsatzeinheit Wasser Ausland (SEEWA). Aber auch private Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, Malteser, Johanniter, Rettungshundevereine usw. werden bei Katastrophen im Ausland aktiv.

Nun bedingt die geographische Lage Deutschlands ein großes Problem: Viele Einsatzorte sind derart weit entfernt, daß die Hilfskräfte zwingend auf dem Luftweg dorthin transportiert werden müssen. Leider standen bisher den hiesigen Hilfsorganisationen, abgesehen von ein paar Rettungshubschraubern, keine eigenen Lufttransportmittel zur Verfügung. Das THW hatte zunächst auf Transportflugzeuge der Luftwaffe zurückgegriffen, bis das Bundesverteidigungsministerium einen Stopp verfügte und vom BMI Geld für die erbrachten Dienstleistungen forderte. Da die von der Hardthöhe aufgerufenen Tarife über denen kommerzieller Fluggesellschaften lagen, ist das THW seither darauf angewiesen, sich selbst auf dem freien Markt um zeitnahe Mitfluggelegenheiten in Krisenregionen zu kümmern. Das führt natürlich zwangsläufig zum Zeitverzug beim Transport von Personal, Gerät und Hilfsgütern sowie zu einem deutlich größeren Organisationsaufwand, wenn man sich mit mehreren Airlines abstimmen muß. Dafür mußte ferner eine THW-eigene Sondereinheit in der Nähe von Frankfurt/Main geschaffen werden. Bei den privaten Hilfsorganisationen ist die Lufttransportlage noch trostloser; dort muß alles selbst organisiert und bezahlt werden – obwohl diese Aktionen alle im Interesse der Bundesrepublik erfolgen.

Natürlich kann man das notorisch klamme BMVg verstehen, denn „ohne Moos nix los“. Andererseits juchteln die Katastrophenhelfer ja nicht aus Spaß an der Freud durch die Welt, sondern um den politischen Auftrag zur humanitären Hilfe auszuführen. In anderen NATO-Staaten ist das übrigens kein Problem, dort werden die Hilfskräfte selbstverständlich von ihren jeweiligen Luftstreitkräften geflogen.

Doch seit letzter Woche scheint endlich ein Ausweg aus dem Lufttransportengpaß des deutschen Katastrophenschutzes gefunden zu sein. Auf der Fachmesse Interschutz in Leipzig wurde am 7. Juni in Anwesenheit des BMI-Staatssekretärs Klaus-Dieter Fritsche und des russische Katastrophenschutzministers Sergej Schojgu ein Memorandum of Understanding über die Nutzung von Luftfahrzeugen der RF für die Durchführung humanitärer Hilfe unterzeichnet. Grundlage der Vereinbarung ist das Deutsch-russischen Katastrophenhilfeabkommen aus dem Jahre 1994. Die entsprechende Pressemitteilung des BBK lautet:
"[…]

Im Rahmen der Kooperation zwischen dem Bundesministerium des Innern (BMI) und dem russischen Ministerium für Notfallsituationen (EMERCOM) unterzeichnen BBK-Präsident Christoph Unger und der Direktor für internationale Kooperation von EMERCOM, Juri Brazhnikow, eine Vereinbarung zur Nutzung von russischen Großraum-Transportflugzeugen. Die Unterzeichnung findet auf der Messe Interschutz in Leipzig statt. Im Falle internationaler Hilfeleistungseinsätze im Interesse des Bundes, insbesondere nach der Aktivierung des Europäischen Gemeinschaftsverfahrens für Katastrophenschutz, sollen diese Maschinen vom Typ Iljuschin 76 für Personen- und Hilfsgütertransporte genutzt werden.

Diese Vereinbarung basiert auf dem zwischen Deutschland und der Russischen Föderation bestehenden Hilfeleistungsabkommen. Im Rahmen einer bilateralen Arbeitsgruppe wurde ein gemeinsames Arbeitsprogramm über Zusammenarbeit u. a. auf den Gebieten Ausbildung, kritische Infrastrukturen und medizinischer Bevölkerungsschutz für 2011 und 2012 vereinbart. Minister Shoigu, EMERCOM, sowie Staatssekretär Fritsche, BMI, haben das Arbeitsprogramm ebenfalls auf der Messe Interschutz unterzeichnet.
Mit den Vereinbarungen wird die gute Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Russischen Föderation im Bevölkerungsschutz fortentwickelt.

[…]"



Um diese Vereinbarung (die entgegen der o.g. Verlautbarung nicht nur auf Maschinen vom Typ Iljuschin beschränkt ist) einordnen zu können, muß man wissen, daß das Katastrophenschutzministerium der RF (MTschS, bisweilen auch MChS und Emercom genannt) über stattliche Fliegerkräfte verfügt. Diese reichen von kleinen Rettungshubschraubern über große Transporthelikopter wie der Mi-6 bis hin zu Transportflugzeugen (z.B. Jak-42, Il-62, Il-76) und Amphibienflugzeugen Be-200. Damit werden regelmäßig russische Hilfsmannschaften und -güter transportiert – und zwar nicht nur bei internationalen Einsätzen, sondern auch im Inland. Anders wäre angesichts der großen Dimensionen Rußlands eine schnelle und qualifizierte Nothilfe auch in entlegenen Gegenden oftmals kaum leistbar. Hierzulande sind wir ebenfalls schon in den Genuß dieser Fähigkeiten gekommen: Im August 2002 wurden Spezialisten, Amphibienfahrzeuge, Pumpen und weitere Technik des MTschS nach Deutschland geflogen, um bei der Bekämpfung des Elbehochwassers zu helfen.

Nun kann also auch Deutschland die im rußländischen Katastrophenschutz bestehenden Möglichkeiten nutzen. Das ist sehr erfreulich, deutet sich damit doch die Lösung eines seit vielen Jahren bestehenden Problems an, zu dessen eigenständiger Lösung unsere Politiker und Beamten nicht fähig waren. Und es regt zum Nachdenken an, daß an dieser Lösung keiner der „üblichen Verdächtigen“ beteiligt ist, von deren Fähigkeiten man hierzulande so gerne redet. Weder Flugzeuge der deutschen Luftwaffe noch eines anderen NATO- oder EU-Mitgliedsstaates werden uns zur Verfügung gestellt, sondern solche einer rußländischen Behörde.

Zu den finanziellen Aspekten haben sich beide Seiten nicht geäußert. Ausgehend von Artikel 9 des zugrundeliegenden Katastrophenhilfevertrages wird das wohl fallweise entschieden werden. Dabei dürfte der deutsche Obulus wahrscheinlich eher gering ausfallen, wenn man sich an ohnehin geplante Flüge des MTschS "anhängen" kann. Und, der größte Vorteil: Das BBK und die an Auslandseinsätzen teilnehmenden Hilfsorganisationen gewinnen endlich Planungssicherheit und müssen sich nicht mehr auf kurzfristig aufgestellte Bedingungen unterschiedlicher Fluggesellschaften einstellen (Hunde: ja oder nein; Material: nur Handgepäck oder etwas mehr etc.).

Die Luftwaffe ist übrigens in einer ähnlichen Lage. Aufgrund ihrer unzulänglichen eigenen Lufttransportmittel wird ein großer Teil des Nachschubs für die deutschen Truppen in Afghanistan mit gecharterten Maschinen aus Rußland und der Ukraine transportiert. Wer auf der A 9 am Flughafen Leipzig/Halle vorbeifährt, kann diese Flugzeuge regelmäßig sehen. Leider findet ein Großteil der erfolgreichen Kooperation zwischen unseren Staaten im Verborgenen statt.



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Montag, 7. Juni 2010

Krieg im Baltikum


Sven Ortmann, den ich für seinen Weblog Defence and Freedom sehr schätze, hat sich dort im Mai mit "Defence policy thoughts for (very) small powers" beschäftigt und sich dabei des Beispiels Estland angenommen. Er entwickelt darin einige als Gedankenspiel durchaus interessante Ideen hinsichtlich der Verteidigung des Baltikums gegenüber einem hypothetischen Angriff Rußlands.

Mich stört allerdings die Unterstellung, daß es in der RF Invasionsüberlegungen für das Baltikum gäbe. Die Souveränität dieser Staaten stand seit 1991 niemals zur Diskussion - weder auf internationaler Ebene noch innerhalb Rußlands. Im Gegenteil, wenn man sich in die russische Publizistik der Jahre 1990 ff. vertieft, so wird man unschwer feststellen, daß es in sämtlichen, damals diskutierten Szenarien für die Zukunft eine Konstante gab, nämlich die vollständige Unabhängigkeit Estlands, Lettlands und Litauens von der seinerzeit noch existierenden Sowjetunion. (Vgl. z.B. A. Solschenizyn: Rußlands Weg aus der Krise, München 1990 oder A. Sobtschak: Für ein neues Rußland, Bergisch-Gladbach 1991.) Eine Kollegin aus St. Petersburg hat dieses Denken mir gegenüber erst vor kurzem so zusammengefaßt: "Auch zu Sowjetzeiten haben wir das Baltikum immer als Ausland empfunden."

Nun könnte man meinen, daß sich die rußländische Regierung in den letzten Jahren bisweilen höchst unfreundlich gegenüber ihren kleinen Nachbarn verhalten hätte. Dies vernebelt jedoch den Blick auf den politischen - und damit mehrseitigen - Kontext der Probleme. Angefangen von dem seit fast 20 Jahren existierenden Komplex der Staatenlosen (ein Problem, das es nur in diesen drei Nachfolgestaaten der UdSSR gibt!) über den bis heute nicht gültigen estnisch-russischen Grenzvertrag (die estnische Regierung meinte, den schon fertigen Vertrag eigenmächtig ergänzen zu müssen) bis hin zur massiven Unterstützung, die islamistische Terroristen aus dem Nordkaukasus seit Jahren in Osteuropa finden. (Man stelle sich nur vor, in einem NATO-Staat würde die Hamas in ähnlicher Weise hofiert.)

Ferner blendet das weitverbreitete Gerede von einer "russischen" (nicht etwa einer sowjetischen!) Okkupation des Baltikums wichtige historische Tatsachen einfach aus. Begonnen von der massiven Unterstützung, die Lenins Bolschewiki im Baltikum gefunden haben, über die Tatsache, daß nach der Oktoberrevolution 35.000 Lettische Schützen neben den Roten Matrosen die stärkste Stütze der Bolschewiki waren (deren Kommandeur, Jukums Vācietis, war sogar erster Chef der Roten Armee!) bis hin zur Tatsache, daß nicht wenige Politiker und Beamte in diesen Staaten ihre (oft bis heute andauernde) Karriere mit einem Parteibuch der KPdSU begonnen haben. Ein Beispiel dafür ist Boris Pugo, letzter Innenminister der SU und einer der maßgeblichen Akteure des gegen Michael Gorbatschow gerichteten Putschversuchs im August 1991.
(BTW: Können Russen, deren Vorfahren während der Revolution und des Bürgerkrieges von lettischen Schützen massakriert worden sind, die heutige Republik Lettland auf Schadensersatz verklagen, wie es in letzter Zeit Mode geworden ist?)

Damit soll folgendes gesagt werden: Die drei baltischen Staaten und die dort lebenden Menschen waren im 20. Jahrhundert bei weitem nur das Objekt der Politik, als das sie sich heute gerne darstellen, sondern sie haben selbst kräftig mitgestaltet und auch mitgemordet. Die Geschichte ist nicht so eindimensional, die aktuelle Politik ebenfalls nicht.



Natürlich gibt es politische Dissonanzen zwischen den drei baltischen Republiken und der Rußländischen Föderation - allerdings in unterschiedlicher Intensität, wobei Lettland und Litauen m.E. nicht ganz so streitsüchtig sind wie Estland. Dennoch ist es absurd anzunehmen, daß Moskau zur "Bereinigung" dieser Streitfragen auf militärische Gewalt setzen würde. Erstens fehlen der RF die dazu notwendigen Kräfte und Mittel, zweitens setzt Moskau (nicht nur, aber auch aus diesem Grunde) in jeder Hinsicht primär auf Verhandlungslösungen. Die dortigen Politiker und Beamten kennen sich im Völkerrecht hervorragend aus und wissen ganz genau, welche Maßnahmen noch zu rechtfertigen ist und welche nicht - und sie überschreiten, wie die letzten Jahre gezeigt haben, diese Grenze nicht.
(Dies steht, nebenbei bemerkt, im erfreulichen Gegensatz zur Unkenntnis oder offenen Ablehnung des geltenden Völkerrechts, wie sie regelmäßig von "westlichen" Staaten demonstriert wird, wie etwa 1999 im Kosovo oder 2003 im Irak.)

Die Rußländische Föderation wird nicht zum Kriege schreiten, wenn sie nicht durch einen militärischen Angriff dazu gezwungen wird. Das haben sowohl der Einfall islamistischer Kämpfer in Dagestan 1999, aus dem sich dann der Zweite Tschetschenienkrieg entwickelt hat, als auch der Südossetienkrieg 2008 gezeigt. Hätten die georgischen Truppen nicht die Unterkünfte der dreiseitigen Friedenstruppen angegriffen, dann hätte es keine derart starke Reaktion Rußlands gegeben. Die russischen Streitkräfte mußten gewaltig improvisieren, um bestehen zu können. So waren etwa die Kommunikationswege zur obersten militärischen Führung in Moskau außer Betrieb, weil der Generalstab gerade umgezogen ist. Deshalb mußte sämtliche Kommunikation der Kommandeure vor Ort mit ihren Vorgetzten über die Nachrichtenzentrale der Präsidialadministration abgewickelt werden.

Um wieder auf den Anfang zurückzukommen: Für meine Kritik hat Sven Ortmann natürlich eine Sicherung in seinen Text eingebaut: "No matter how unlikely the scenarios are; preparing is what they get paid for, after all." Ein Planspiel also. Ich nehme mir die Freiheit, im folgenden ebenfalls ein Gedankenexperiment durchzuführen (obgleich ich nicht dafür bezahlt werde ;-)). Es geht um die Ausbreitung der NATO bis an die Grenzen Rußlands und welche Risiken sich aus russischer Sicht daraus ergeben könnten. Das entwickelte Szenario ist hypothetisch und nach heutigem Stand unwahrscheinlich, aber keineswegs unrealistisch. Ich verstehe es außerdem als Fortsetzung des Beitrags über die neuen Operativ-strategischen Kommanden der russischen Armee, worin ich die militärischen Kräfteverhältnisse schon angeschnitten hatte. All das ist, um noch einmal Ortmann zu zitieren, selbstverständlich "just food for thought".



Das politische Vorspiel: Die NATO-Staaten sind unzufrieden mit Rußland. Der amerikanische Senator Richard Lugar hatte bereits 2006 gedroht, daß man in der NATO gewillt sei, sich die russischen Bodenschätze und Energieträger ggf. auch mit militärischer Gewalt anzueignen. Jetzt spitzt sich ein Ressourcenkonflikt, bei dem es um unterschiedliche Preisvorstellungen zwischen Warschau und Moskau geht, immer weiter zu. Die Scharfmacher, insbesondere aus Osteuropa, fordern, daß man dem "aggressiven russischen Bären" endlich eine "Lektion" erteilen müsse, an die er sich noch lange erinnern wird, damit es nicht zu weiteren Insubordinationen gegenüber dem "freien Westen" kommt.
Ein passendes Ziel ist schnell gefunden: Das Kaliningrader Gebiet, das eingeklemmt zwischen Litauen, Polen und der Ostsee liegt. Dort haben sich außerdem politische Kräfte formiert, die die Loslösung von Rußland anstreben, um einen eigenen Staat zu bilden, der in die EU aufgenommen werden soll. Das steht auch im Kontext der amerikanischen Osteuropapolitik, in welcher die territoriale Zerstückelung Rußlands seit Jahrzehnten einen prominenten Platz einnimmt; diese Idee zieht sich als eine Konstante vom NSC-Dokument 20/1 und anderen Beschlüssen der Frühphase des Kalten Krieges bis zu den Schriften Zbigniew Brzezinskis.

Das militärische Vorspiel: In den letzten Jahren hat sich die Integration der drei baltischen Staaten in die militärischen Strukturen der NATO intensiviert, weshalb nicht mehr das Schlachtfeld Irak im Vordergrund stand. Neben dem regelmäßigen Air Policing Baltikum wurden dort auch größere Luftwaffenübungen durchgeführt. Im Sommer 2010 fanden zudem großangelegte Marineübungen statt, in deren Mittelpunkt amphibische Landungen von US Marines an der lettischen und estnischen Küste sowie anschließende Gefechtsübungen zu Lande standen. Im Mai 2010 wurden ferner amerikanische Flugabwehrkräfte mit Patriot-Systemen in Polen stationiert. Allerdings nicht, wie ursprünglich geplant, in der Nähe von Warschau, um die Hauptstadt zu schützen, sondern weit davon entfernt im masurischen Morąg, das knapp 70 km südlich der Grenze zum Kaliningrader Gebiet liegt.

Die Idee der NATO: Eine Herauslösung der Reste des früheren Ostpreußens klingt in den Ohren vieler NATO-Planer verlockend, wobei zunächst offen bleibt, ob diese Maßnahme nur temporär (Faustpfand für Verhandlungen mit Moskau) oder dauerhaft sein soll. Erstens bietet es sich aufgrund der geostrategischen Lage geradezu an, diesen "abnormalen" Außenposten Rußlands zu zerschlagen. Zweitens entspricht diese Maßnahme hervorragend der seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Polen virulenten prometheischen Ideologie (damit wäre das Motivationsproblem gelöst). Außerdem hat Polen in den Jahren 1920/22 eine ähnliche Aktion im Osten Litauens durchgeführt - mit dem Ergebnis der Annektion des Gebietes um Vilnius durch Warschau (an einem historischen Vorbild fehlt es mithin nicht). Drittens wäre eine solche Militäroperation mit einem überschaubaren Kräfteaufwand durchführbar. Viertens ist das Risiko, einen "großen Krieg" mit eventuellem Atomwaffeneinsatz heraufzubeschwören, gering; der Konflikt läßt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit räumlich und zeitlich begrenzen.

Die militärische Planung der NATO: Allein das polnische Heer verfügt über insgesamt 12 mechanisierte Brigaden. Das genügt, zusammen mit den polnischen Unterstützungsmitteln, völlig, um die "Kaliningrader Operation" erfolgreich durchzuführen. Denn in diesem Gebiet sind nur 3 Manöverbrigaden der russischen Streitkräfte stationiert (2 x Mot. Schützen, 1 x Marineinfanterie). Die polnischen Kräfte und Mittel sollten auch ausreichen, um die weißrussische Grenze zu decken, damit sich dieser Verbündete Rußlands nicht in den Konflikt einmischt. Unterstützung durch die NATO-Verbündeten ist insofern nur nötig, um die russischen Luftstreitkräfte und Luftverteidigung niederzuhalten und die Baltische Flotte in ihren Häfen zu blockieren.

Der Unterstützungsbedarf von Estland, Lettland und Litauen ist erheblich größer. Den litauischen Streitkräften kommt die Aufgabe zu, die Nordgrenze des Kaliningrader Gebiets abzuriegeln, um einen eventuellen Ausbruch der Verteidiger in Richtung Nordosten zu verhindern. Auch muß die Grenze zu Belarus gesichert werden. Die Armeen Estlands und Lettlands sollen Entlastungsangriffe der östlich ihrer Ostgrenze stehenden russischen Kräfte vereiteln und so die Eroberung des nördlichen Ostpreußens absichern. Zu diesem Behufe sind jedoch Verstärkungen aus anderen NATO-Staaten erforderlich - allerdings nichts, was sich nicht mit ein paar Schiffen über die Ostsee oder per Bahntransport via Deutschland und Polen heranschaffen ließe.

Kriegsbeginn: Davon ausgehend beginnt der hypothetische Angriff der polnischen Armee auf das Kaliningrader Gebiet, natürlich ohne formale Kriegserklärung. Einen konkreten Vorwand hat man gefunden; der NATO-Pressesprecher hat in Brüssel der Weltöffentlichkeit sogar einen neuen Hufeisenplan präsentiert. Der Propaganda- und Informationskrieg tobt schon heftig, bevor der erste Schuß fällt.

Die militärische Lage aus russischer Sicht: Nachdem der Angriff begonnen hat, ist die Exklave Kaliningrad vom Rest des Landes abgeschnitten. Nur einige wenige Kommunikationskanäle funktionieren noch. Die dort stationierten Truppen wehren sich zwar, doch ist ihre Lage angesichts der Überlegenheit der polnischen Angreifer, der weitgehenden Isolation des Gebietes und der kriegsmüden Stimmung in der Bevölkerung nahezu aussichtslos. Der Versuch von Kampffliegern aus dem russischen Kernland, in die Gefechte um Kaliningrad einzugreifen, wird von der Luftverteidigung der NATO abgewiesen.
Die wenigen in Kronstadt liegenden Schiffe der Baltischen Flotte laufen zwar aus, doch werden sie schon auf der Höhe Tallins von Marinekräften der NATO gestoppt und kehren nach einem Geplänkel in ihren Heimathafen zurück. Nunmehr wird der rußländischen Führung endgültig klar, daß es sich um einen Krieg mit der gesamten NATO handelt, nachdem es zuvor noch diffuse Signale auf diplomatischen Kanälen gegeben hatte, die auf weitere Verhandlungen hindeuteten.

Im Operativ-strategischen Kommando West (St. Petersburg) und im Generalstab der RF (Moskau) werden angesichts dessen verschiedene Optionen diskutiert.

Erstens ein Vorstoß zu Lande, um das eingeschlossene Kaliningrad von Norden her zu erreichen. Dazu müßten nicht nur Estland, Lettland und Litauen durchquert, sondern auch die dort vorbereitete militärische Abwehr überwunden werden. Das estnische Heer entspricht zu Friedenszeiten etwa einer Infanteriebrigade, das lettische und litauische Heer ebenfalls. Alle drei Staaten haben mittlerweile mobilgemacht und führen neben den regulären Einheiten auch ihre Territorial- und Reserveformationen ins Feld. Zu ihrer Unterstützung sind eine amerikanische und eine britische Brigade bereits vor Ort - offiziell, um Manöver durchzuführen. Drei weitere Brigaden aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden befinden sich auf dem Weg ins Baltikum.

Dem stehen auf russischer Seite lediglich die 25. Motorisierte Schützenbrigade in Wladimirskij Lager und die aus 3 Fallschirmjägerregimentern bestehende 76. Luftlandedivision in Pskow gegenüber. Das entspricht zusammen in etwa 4 NATO-Brigaden. Die übrigen Truppenteile sind zu weit entfernt und würden auf ihrem Anmarsch vermutlich Schlägen der gegnerischen Luftwaffe oder Marschflugkörpern zum Opfer fallen, denn insoweit ist die Überlegenheit der NATO absolut.

Ein Angriff zu Lande wäre somit fast aussichtslos, zumindest bräuchte er eine starke Luftunterstützung. Doch gegen die Luftstreitkräfte der NATO (in der Ostsee kreuzen auch zwei Flugzeugträger) kommen die russischen Flieger alleine nicht an. Die Heranführung von Reserven braucht jedoch Zeit, was der NATO bei ihrem begrenzten Krieg um Kaliningrad in die Hände spielt.

Die russischen Generalstabsoffiziere erwägen sodann, wenigstens die Kurzstreckenraketen der in Luga basierten 26. Raketenbrigade zum Einsatz zu bringen. Doch auf welche Ziele sollte man sie, nur mit konventionellen Sprengköpfen bestückt, abfeuern? Welche politischen und militärischen Vorteile brächte der Abschuß von ein paar Raketen etwa auf die gegnerischen Hauptstädte? So gut wie keinen (vielleicht mit der Ausnahme des gewissermaßen am Wege gelegenen Vilnius). Und sie genügen in dieser Konfiguration nicht, um die in Lettland und Litauen stehenden NATO-Bodentruppen zu zerschlagen, weshalb es nicht gelingen kann, so den eigenen Truppen den Weg nach Südwesten zu ebnen.

Also wird das letzte Mittel erörtert: Atomwaffen. Hier tut sich ein großes Dilemma auf. Rußland ist selbst bisher nicht mit Atomwaffen attackiert worden, deshalb müßte es nun einen atomaren Erstschlag führen. Ein solcher wäre gemäß der Militärdoktrin aus dem Jahre 2010 jedoch nur dann zulässig, wenn die Rußländische Föderation durch einen konventionellen Angriff in ihrer gesamten staatlichen Existenz bedroht ist. Dies ist bei einem begrenzten Krieg gegen das kleine Kaliningrader Gebiet mit Sicherheit nicht der Fall. Das russische Kernland könnte auch so ohne Probleme weiterexistieren. Ergo ist ein Atomwaffeneinsatz ausgeschlossen.

Zudem würde sich die Frage erheben, gegen welche NATO-Staaten denn Atomwaffen eingesetzt werden sollten. Weder die baltischen Republiken noch Polen verfügen selbst über derartige Waffen oder haben sie gar zum Einsatz gebracht. Ein Atomschlag auf deren Territorium würde international zweifelsohne als Kriegsverbrechen bewertet werden, was einen gewaltigen und langfristigen politischen und ökonomischen Schaden für Rußland, den "neuen Schurkenstaat" und "rachsüchtigen Bären", zur Folge hätte. Und einen vierten Weltkrieg mit den USA, inklusive dem Austausch von Interkontinentalraketen, beginnt man nicht wegen eines kleinen Landstücks an der Ostsee.

Das Resultat: Ein Atomwaffeneinsatz erfolgt von seiten der RF nicht. Statt dessen entschließt man sich zu einem eher symbolischen Vorstoß der 25. Mot. Schützenbrigade sowie des 23. und des 104. Fallschirmjägerregiments, welcher jedoch von den NATO-Verbänden im Nordosten Lettlands gestoppt wird. Nach heftigen Gefechten ziehen sich die russischen Truppen wieder auf ihr eigenes Staatsgebiet zurück. Am selben Tag wird das Friedenshauptquartier des OSK West, das in Petersburg im historischen Generalstabsgebäude untergebracht ist, von zwei Luft-Boden-Raketen getroffen, die von B-52-Bombern über der Ostsee abgefeuert worden waren. Ein dritter, nach späterer NATO-Darstellung fehlgeleiteter Marschflugkörper trifft die Eremitage, wodurch u.a. die weltberühmte Sammlung der niederländischen Meister zerstört wird.

Der Präsident in Moskau erteilt daraufhin den noch kämpfenden Überresten der Kaliningrader Garnison den Kapitulationsbefehl und der Außenminister leitet Waffenstillstandsverhandlungen mit der NATO ein. Belarus hat sich schon Tage zuvor für neutral erklärt und hält sich aus dem Konflikt heraus, nachdem es finanzielle Zusagen einiger NATO-Staaten erhalten hatte, um seine Wirtschaft zu beleben. Demgegenüber war die Aussicht, daß das eigene Land zum Gefechtsfeld werden könnte, für die Regierung in Minsk höchst unschön.



Soweit unser kleines Gedankenexperiment. Natürlich ein (hoffentlich) hypothetisches und aus heutiger Sicht (glücklicherweise) unwahrscheinliches Szenario - aber eben kein gänzlich unrealistisches! Man könnte sicher - wie gegen jedes Modell - manches dagegen einwenden, gerade in Detailfragen (z.B. hinsichtlich der Luftstreitkräfte). Dennoch sollte folgendes klargeworden sein:

Die osteuropäischen NATO-Staaten sind keineswegs so schwach, wehrlos und schutzbedürftig, wie oftmals behauptet wird. Die kombinierten Landstreitkräfte Estlands, Lettlands und Litauens entsprechen in ihrer Friedensstärke in etwa denjenigen, über die Rußland in dieser Region verfügt; von der formidablen Armee der Republik Polen ganz zu schweigen. Und die Heranführung von Truppen aus der Tiefe des russischen Raumes würde im Zweifelsfall von den Kampffliegern und Raketen der NATO entweder vollständig unterbunden oder zumindest stark erschwert werden. Mithin darf eine Invasion des Baltikums durch die RF nicht nur aus den anfangs skizzierten politischen und kulturellen Erwägungen, sondern auch aus militärischen Gründen als extremst unwahrscheinlich gelten. (Dasselbe gilt übrigens für eine Invasion in Finnland.)

Sie wäre bei einer realistischen Betrachtung zumindest nicht wahrscheinlicher als der umgekehrte Fall, der im obigen Gedankenexperiment durchgespielt wurde - daß es also zu einem begrenzten Feldzug der NATO (oder von Teilen des Bündnisses) gegen außenliegende Teile des rußländischen Staatsgebietes käme. Konventionelle Kriege sind auch gegen eine Atommacht führbar. Dies entspricht gewiß nicht den Absichten aller Mitgliedsstaaten der NATO. Dennoch vermehrt die Ausbreitung dieses Militär-Bündnisses nach Osten - verbunden mit der aggressiven und feindseligen Rhetorik, wie sie regelmäßig in Polen, dem Baltikum und Tschechien gepflegt wird - entsprechende Besorgnisse in Rußland. Und diese Befürchtungen sind, wie wir gesehen haben, auch aus reiner streng militärischen Perspektive keineswegs abwegig oder gar irrational.

Schließlich hat die NATO vor elf Jahren einen Angriffkrieg gegen Jugoslawien geführt, der nicht nur mit massiven konventionellen Luftschlägen und ohne Kriegserklärung begonnen hat, sondern außerdem schon dem Grunde nach völkerrechtswidrig war. Erstens fehlte die Ermächtigung des UN-Sicherheitsrates (vgl. Art. 24 u. 42 UN-Charta). Zweitens trägt die angeführte Begründung der "humanitären Intervention" nicht, denn zum Zeitpunkt des Kriegsbeginns haben die behaupteten ethnischen Säuberungen nicht stattgefunden. Der für eine solche Intervention notwendige Tatbestand lag folglich nicht vor, selbst wenn man humanitäre Interventionen grundsätzlich für zulässig hielte.
Im Kosovokrieg ging es - ebenso wie im obigen Fallbeispiel - um das Herausbrechen einer Region (hier: des Kosovo) aus einem funktionierenden Staatswesen. Es war ebendieser Konflikt, der in Rußland zu einem abrupten Ende der idealistischen und sorglosen Außen- und Sicherheitspolitik geführt hat, wie sie während der 1990er Jahre praktiziert worden war. Komisch, daß man das im "erfolgreichsten Militärbündnis der Weltgeschichte" bisweilen nicht wahrhaben will.



Abschließend möchte ich dem geneigten Leser folgende Texte zur Vertiefung empfehlen:

W. Sliptschenko: Analyse der Militärkampagne der NATO gegen Jugoslawien im Frühjahr 1999

F. Preiß: Russland baut die Streitkräfte um und sucht den Schulterschluss mit Belarus (PDF)

F. Preiß: Iskanderschock - Die NATO im Visier Russlands (PDF)

RIAN: Russlands Luftabwehr liegt in Trümmern

RIAN: Militärexperte: Russlands Heer angeschlagen, Atomwaffen nutzlos

A. Chramtschichin: Tschetyrje wektora rossijskoj oboronoj



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Karte: map.primorye.ru; Fotos: www.kam.lt, www.mod.gov.ee.

Samstag, 5. Juni 2010

Die Militärbezirke werden abgeschafft


Die Beobachtung der im Herbst 2008 begonnenen, großangelegten Militärreform in der Rußländischen Föderation ist hier auf Backyard Safari bis dato zu kurz gekommen. Aber es läßt sich jetzt schon sagen, daß diese Reform – im Gegensatz zu vorherigen Versuchen – tatsächlich ins Werk gesetzt wird und so die russischen Streitkräfte vollständig umkrempelt. Die bisherigen Strukturen, die großteils noch auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges zurückgehen, wurden und werden durch andere abgelöst. Waren sie bisher auf ein Millionenheer und großangelegte Operationen ausgerichtet, so werden sie nicht nur quantitativ reduziert, sondern komplett umgebaut, um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. Einer der politischen Auslöser waren die in der Vergangenheit sowohl 1999/2000 in Tschetschenien als auch 2008 in Südossetien gemachten Erfahrungen, daß die RF, obwohl sie nominell über eine große Armee verfügt, bestenfalls fähig ist, etwa 65.000 Mann tatsächlich ins Feld zu führen. Der Rest des Personals hat sich selbst oder irgendwelche Depots bewacht, Radar- und (mangelhafte) Funkstationen bedient o.ä. Ziel waren also effizientere und effektivere Streitkräfte.

Einige der wichtigsten Eckpunkte der Militärreform sind:
1. Auflösung aller Mobilmachungstruppenteile, die nur zu 30 bis 50 % mit Personal aufgefüllt waren, aber bereits in Friedenszeiten über den vollständigen Offiziersbestand verfügten. Hier werden auch die meisten der insgesamt rund 200.000 abgebauten Offiziere eingespart. Die russische Armee wird somit nur noch über vollaktive Einheiten verfügen.
2. Drastische Reduzierung des Personals, das im Verteidigungsministerium, im Generalstab und in anderen Militärbehörden tätig ist sowie die Auslagerung und Privatisierung von Dienstleistungen (ähnlich der deutschen Bundeswehr). Insgesamt wird der Personalbestand von 1,2 auf 1 Million Mann reduziert, davon knapp 300.000 in den Landstreitkräften.
3. Umbau der Landstreitkräfte durch Verzicht auf die als schwerfällig geltenden Regiments- und Divisionsstrukturen. Statt dessen wurden „Allgemeine Brigaden“ (russ.: Obschtschewojskowye brigady) geschaffen, die mit ihren Motorisierten Schützen- und Panzerbataillonen das Rückgrat des Heeres bilden. Derzeit existieren 39 Allgemeine Brigaden. Deren Anzahl könnte sich irgendwann noch bis auf die angedachte Zahl von 85 erhöhen (wenn die Reste der alten Armeestruktur aufgelöst sind), doch zunächst muß die genaue Organisation der Brigaden festgeschrieben werden. Insofern werden zur Zeit verschiedene Modelle diskutiert.
4. Die Fliegerkräfte sämtlicher Waffengattungen und Teilstreitkräfte (mit Ausnahme der Strategischen Raketentruppen) sind in die Luftstreitkräfte überführt worden.
5. Dazu kamen noch zahlreiche weitere Maßnahmen, z.B. die Reduzierung des Grundwehrdienstes auf 12 Monate im Jahre 2008, Änderungen in der Offiziersausbildung, Gründung eines bisher nicht gekannten Unteroffizierskorps, das nicht mehr aus besonders guten Wehrpflichtigen, sondern nur noch aus Berufs- und Zeitsoldaten besteht u.v.a.m.

Das in aller Kürze. Einen guten Überblick über die Reform bieten in deutscher Sprache dieser Artikel von RIA Nowosti, dieser Beitrag von Frank Preiß sowie der Beitrag „Mehr als ein neuer 'Look'“ in der Frankfurter Allgemeinen vom 02.12.2009. (Sonst ist die Rußlandberichterstattung der FAZ eher mit Vorsicht zu genießen, wenn etwa behauptet wird, daß Moskau die Schwelle für den Atomwaffeneinsatz senken werde, um leichter damit „drohen“ zu können. Dem ist jedoch nicht so, die neue Militärdoktrin sagt etwas gegenteiliges.)
Viele weitere, wichtige Informationen sind diesem und jenem Weblog zu entnehmen. Da die Ähnlichkeit zu der schon vor Jahren in Belarus erfolgreich durchgeführten Militärreform unverkennbar ist, möchte ich ergänzend noch auf diese Arbeiten über die weißrussische Armee hinweisen.

Die bereits vollzogenen Reformschritte haben keinen Bereich der russischen Armee unberührt gelassen und sie entsprechend durcheinandergeschüttelt – die Ergebnisse der im vergangenen Jahr durchgeführten Manöver waren entsprechend negativ. Die öffentliche Kritik an Verteidigungsminister Anatolij Serdjukow ist heftig (und nur selten höflich formuliert) und es dürfte noch einige Jahre dauern, bis sich die erwarteten positiven Folgen zeigen.



Die Reform scheint langsam zum Dauerzustand zu werden (wofür man in der Bundeswehr den Begriff Transformation verwendet). Dieser Tage ist bekannt geworden, daß es auch den traditionellen Militärbezirken, in denen die gesamte Armee mit Ausnahme der Marine organisiert ist, an den Kragen gehen wird. Das System der Militärbezirke (MB), wie es bis heute existiert, geht auf einen Befehl von Leo Trotzki aus den Anfangsjahren der Sowjetmacht zurück, der wiederum auf Vorläufer aus der Zarenzeit aufbauen konnte. Die Militärbezirke waren nicht nur eine militärische Verwaltungsorganisation, sondern bildeten zugleich im Kriegsfall die operative und teilstreitkraftübergreifende „Front“.

Die derzeit existierenden sechs Militärbezirke sollen nun zum Jahresende aufgelöst werden. Statt dessen werden vier „Operativ-strategische Kommandos“ (OSK) gebildet, denen wahrscheinlich sämtliche nicht-strategischen Verbände der Land-, Luft- und Seestreitkräfte unterstellt werden. Die Idee solcher „joint commands“ stammt natürlich aus den USA. In der sowjetischen bzw. russischen Militärgeschichte gab es derartige Kommandos lediglich im Rahmen des Warschauer Vertrages, z.B. das Kommando des westlichen Kriegsschauplatzes. Das waren aber ganz andere Größenordnungen als heute, wo es primär um flachere Hierarchien und weniger „Verwaltung der Verwaltung“ geht, welche kosten- und zeitintensiv ist. Während der zurückliegenden 15 Jahre wurde in russischen Militärkreisen unter dem Stichwort „strategische Richtungen“ mehrfach über Alternativen zu diesem System, das nur bei einem riesigen Multimillionenheer effizient ist, nachgedacht, aber nichts davon realisiert (sofern man von einem kurzzeitigen Experiment im Fernen Osten absieht).

Die neuen OSKs werden im folgenden kurz vorgestellt. (Als Grundlage diente mir primär dieser Artikel des Militäranalysten Alexander Chramtschichin vom 21.05.2010. Chramtschichin ist am [privaten] Institut für politische und militärische Analyse tätig und stand der ehemaligen [liberalen] Partei SPS nahe. Seine Texte, die bisweilen auch von RIA Nowosti übersetzt werden, sind von großer Nüchternheit geprägt und kommen ohne ideologische Nebelkerzen aus. Die nachfolgend gezeigten Karten stammen aus dem Jahr 2006 und stellen die noch bestehenden Militärbezirke, aus denen die OSKs gebildet werden, sowie die in diesen zum damaligen Zeitpunkt – also noch vor Beginn der Militärreform! – dislozierten Einheiten und Verbände dar. Die [noch] aktuellen Gliederungen können den verlinkten Wikipedia-Seiten der MBs entnommen werden.)





Operativ-strategisches Kommando West

Hauptquartier: Sankt Petersburg. Es wird aus den Land- und Luftstreitkräften des Moskauer Militärbezirks und des Leningrader Militärbezirks gebildet; außerdem werden ihm die Baltische Flotte und die Nordmeerflotte sowie die im Kaliningrader Gebiet stationierten Verbände unterstellt. Das OSK West wird somit – nach heutigem Stand – über folgende Kräfte und Mittel verfügen:

Landstreitkräfte: 9 Allgemeine Brigaden (2 Panzer- und 7 Mot. Schützenbrigaden; dazu kommen noch 2 Marineinfanteriebrigaden bei den beiden Flotten), 6 Raketen- bzw. Artilleriebrigaden, 2 Flugabwehrbrigaden, 5 Basen für die Aufbewahrung von Kampftechnik (für den Mobilmachungsfall).
Luftstreitkräfte/Luftverteidigung: 21 Fliegerbasen (es gibt keine Fliegerregimenter mehr), 2 Flugabwehrbrigaden und 20 Flugabwehrregimenter.
Seestreitkräfte: vgl. hier und hier.

Das alles verteilt sich auf einen geographischen Raum, der von Murmansk und Archangelsk im Norden über Belgorod im Südwesten bis nach Nishnij Nowgorod im Osten reicht und an folgende Staaten grenzt: Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Belarus (mit dem die RF im Rahmen der OVKS kooperiert), Ukraine sowie Polen (Exklave Kaliningrad). Das sind außerdem die mit am dichtesten besiedelten Gebiete der RF, worin mit Moskau, St. Petersburg und Nishnij Nowgorod auch drei Millionenstädte liegen.
Chramtschichin meint, nachdem er ausführlich Zahlen miteinander verglichen hat, daß diese Kräftegruppierung in etwa der polnischen Armee entspreche und in einer (freilich hypothetischen) Auseinandersetzung mit den in Mittel- und Westeuropa stationierten NATO-Streitkräften hoffnungslos unterlegen wäre.




Operativ-strategisches Kommando Ost

Hauptquartier: Chabarowsk. Wird gebildet aus dem Fernöstlichen Militärbezirk, dem östlichen Teil des Sibirischen Militärbezirks und der Pazifikflotte. Ihm stünden wohl folgende Kräfte und Mittel zur Verfügung:

Landstreitkräfte: 10 Allgemeine Brigaden (1 Panzer- und 9 Mot. Schützenbrigaden; plus 1 Marineinfanteriebrigade der Pazifikflotte), 1 MG-/Artilleriedivision (Küstenverteidigung), 9 Artillerie- bzw. Raketenbrigaden, 4 Flugabwehrbrigaden, 12 Basen für die Aufbewahrung von Kampftechnik.
Luftstreitkräfte/Luftverteidigung: 13 Fliegerbasen, 8 Flugabwehrregimenter.
Seestreitkräfte: vgl. hier.

Chramtschichin stellt an dieser Stelle ebenfalls Vergleiche mit den Streitkräften der Nachbarstaaten Japan und China an und konstatiert auch für das OSK Ost eine eindeutige Unterlegenheit Rußlands. Die Mobilmachungsbasen liegen relativ nahe an der Grenze, weshalb sie im Zweifelsfall eher einem eventuellen Gegner als der russischen Armee helfen dürften. Zudem sei die für die Logistik existentiell wichtige Transsibirische Eisenbahn ungeschützt und könne wegen ihrer grenznahen Lage leicht durch Luftschläge oder Kommandounternehmen unterbrochen werden.
Ähnliches gilt für das in Chabarowsk residierende Hauptquartier des OSK Ost. Die Stadt liegt am Amur nahe der Grenze zu China und wäre somit – ebenso wie St. Petersburg im Westen – im Falle eines großen Krieges kaum zu schützen.





Operativ-strategisches Kommando Süd

Hauptquartier: Rostow am Don. Es wird aus dem Nordkaukasischen Militärbezirk, den südlichen Teilen des Wolga-Ural-Militärbezirks, der Schwarzmeerflotte und der Kaspischen Flottille gebildet.

Das Hauptaufgabengebiet dieses OSK liegt naturgemäß in Kaukasusraum. Dazu kommt die Unterstützung verbündeter Staaten wie etwa Armenien, wo derzeit zwei Mot. Schützenbrigaden sowie Fliegerkräfte stationiert sind. Die genaue Zusammenstellung der Kräfte und Mittel ist aufgrund der noch unklaren Aufteilung des Wolga-Ural-MB bisher nicht bekannt, doch wird das OSK Süd zumindest die Verbände des heutigen Nordkaukasischen MB verfügen, die im Bereich der Landstreitkräfte u.a. wären: 10 Allgemeine Brigaden (Mot. Schützen, inkl. der in Armenien), 4 Artillerie- bzw. Raketenbrigaden.




Operativ-strategisches Kommando Mitte

(Wird in manchen Quellen auch als OSK Nord bezeichnet.) Hauptquartier: Jekaterinburg. Es wird aus dem westlichen Teil des Sibirischen Militärbezirks und dem größten Teil des Wolga-Ural-Militärbezirks gebildet und verfügt aus geographischen Gründen als einziges OSK über keine unterstellten Seestreitkräfte.

Das Gebiet des OSK Mitte grenzt lediglich an Kasachstan, mit dem Rußland im Rahmen der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (OVKS) sowie der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) eng kooperiert. Mithin besteht die Hauptaufgabe des OSK Mitte im Bereitstellen von Kräften und Mitteln als Reserve für die drei übrigen OSKs sowie ggf. für die anderen Mitgliedsstaaten von OVKS und SOZ. Hierfür könnten u.a. 6 Allgemeine Brigaden des Heeres zur Verfügung. Weitergehende Details sind auch hier noch unbekannt.



So viel für den Moment. Die Überlegungen hinsichtlich der OSKs sind noch nicht abgeschlossen. So muß beispielsweise noch entschieden werden, ob und, wenn ja, inwieweit die strategischen Truppen (Strategische Raketentruppen, Fernfliegerkräfte, SLBM-tragende U-Boote) den neuen Kommandos unterstellt werden.
Dennoch zeigt sich hier die Intensität, mit der die politische Führung der RF gewillt ist, innerhalb des Militärs alte Zöpfe abzuschneiden – auch gegen erheblichen Widerstand in der veröffentlichten Meinung, deren Kommentatoren manchmal wohl in den Denkmustern des Jahres 1944 befangen bleiben und von gewaltigen Panzerschlachten wie einstmals am Kursker Bogen (alb-)träumen. (Damit soll natürlich nicht gesagt werden, daß jegliche Kritik an der Militärreform und ihrer Umsetzung unsachlich oder gar unredlich sei!) Es bleibt abzuwarten, inwieweit das OSK-Konzept erfolgreich sein wird. Demnächst wird es bei der im Fernen Osten stattfindenden Großübung „Wostok-2010“ erprobt. Vieles hängt auch davon ab, wie gut die neuen Systeme zur automatisierten Truppenführung funktionieren werden.

Die umfassenden Veränderungen an Haupt und Gliedern führen in den rußländischen Streitkräften stellenweise zu einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. So haben beispielsweise die Luftlandetruppen bisher noch keine Brigadestruktur eingenommen, sondern gliedern sich nach wie vor in 3 Divisionen sowie diverse selbständige Brigaden, Regimenter und Bataillone, die sich in unterschiedlichen Unterstellungsverhältnissen befinden. Ich vermute, daß in ein oder zwei Jahren, wenn sich die neuen Strukturen in der übrigen Armee „eingeschliffen“ haben, auch hier ein großer Umbau, der mit deutlichen Reduzierungen verbunden ist, einsetzen wird.
Ähnliches gilt für die Aufklärungstruppen der Spetsnaz. Bereits 2009 wurden sie dem Generalstab „weggenommen“ und direkt den Militärbezirken unterstellt. Zudem wurden mehrere Spetsnaz-Einheiten aufgelöst – eine Maßnahme, die ebenfalls viel öffentliche Entrüstung hervorgerufen hat. Vermutlich werden die Spezialkräfte, sobald sich die vier OSKs formiert haben, ebenfalls umstrukturiert und an die neue Führungsorganisation angepaßt.



PS: Weitere Aussagen Alexander Chramtschichins sind auch in deutscher Sprache verfügbar, siehe z.B. hier, hier und hier.


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Fotos: www.mil.ru.

Dienstag, 1. Juni 2010

AK-200 - Die neuen Kalaschnikows


Vor einer Woche haben russische Medien über die Vorstellung einer Serie neuer Kalaschnikow-Modelle durch die Firma Izhmash berichtet, die unter dem Namen AK-200 laufen wird (vgl. hier, hier, hier und hier). Anlaß war ein Besuch von Ministerpräsident Putin in Ishewsk.

Bei den neuen Sturmgewehren handele es sich um die schon im Jahre 2008 angekündigte Weiterentwicklung der bewährten AK-74M- bzw. AK-100-Serie. Die neuen AKs sollen nicht nur präziser und zuverlässiger als ihre Vorgänger sein, sondern zudem serienmäßig mit Anbaumöglichkeiten für diverses Zubehör wie Zielfernrohre, Leuchtpunktzielgeräte, Laser etc. ausgestattet sein. Deshalb werden die neuen Gewehre mit einer Masse von 3,8 kg auch 500 Gramm schwerer sein als die AK-74M. Überdies sollen ab Werk Magazine mit Kapazitäten von 30, 50 und 60 Schuß verfügbar sein.
Damit hätte die rußländische Waffenindustrie Anschluß an die weltweiten Trends moderner Infanteriewaffen gefunden und die Kalaschnikownutzer wären nicht mehr auf "After-Market"-Produkte wie z.B. gesonderte Picatinny-Schienen angewiesen.

Die neue Waffe soll im kommenden Jahr in Truppenversuchen getestet werden. Lenta.ru berichtet, daß sowohl das Innenministerium (MWD) als auch der Föderale Sicherheitsdienst (FSB) bereits Interesse an der AK-200 bekundet hätten. Demgegenüber hält sich das Verteidigungsministerium bedeckt, worauf auch das Fachmagazin NWO hinweist. Zum einen seien in den letzten Jahren mehrfach moderne Waffen wie z.B. das Gewehr Abakan oder die Pistole Wul konstruiert worden, die jedoch nie über das Prototypen- oder bestenfalls das Kleinserienstadium (für Spezialeinheiten) hinausgekommen sind. Zweitens seien die Arsenale der Armee gut mit den vorhergehenden Kalaschnikowmodellen gefüllt, weshalb es keinen Grund für großangelegte Neubeschaffungen gebe.
(Insofern ist auch die derzeit laufende Militärreform zu berücksichtigen. Es gibt Teile des rußländischen Militärs, die stärker modernisierungsbedürftig sind als die Handfeuerwaffen.)

Daher bleibt abzuwarten, was aus diesem neuen Projekt werden wird. Die avisierte Nachfrage aus dem Inland wird jedenfalls kaum hinreichen, um die Kosten zu decken. Somit dürfte die Frage nach den Exportaussichten entscheidend sein.



Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti hat einen längeren Text von Ilja Kramnik zu diesem Vorgang publiziert, den ich nachfolgend wiedergebe:
"[...]

Das Schnellfeuergewehr Kalaschnikow wird weiterhin seinen Dienst in der russischen Armee tun.
Das teilte Wladimir Gorodezki, Direktor des Maschinenbauwerkes von Ischewsk (Ischmasch), wo die weltbekannten Automatikgewehre hergestellt werden, am vergangenen Dienstag mit. Nach seinen Worten startet das Verteidigungsministerium kommendes Jahr die Tests einer neuen Modifikation der Waffe. Das Basismodell wird mit dem Index AK-200 bezeichnet.

Laut vorliegenden Informationen ist das neue Maschinengewehr leichter und ergonomischer. Wegen der Zusatzausrüstung (optisches Visier, Laser-Zielanweiser usw.), mit der jedes Gewehr ausgestattet wird, wird das Gesamtgewicht aber von den jetzigen 3,3 auf 3,8 Kilogramm steigen.

Inwieweit entspricht diese Modifizierung den Bedürfnissen der russischen Streitkräfte und den modernen Kampfanforderungen? Um diese Frage zu beantworten, müssen die Vorwürfe an die russische Waffenlegende (und dass Kalaschnikow längst eine legendäre Waffe ist, muss wohl nicht neu bewiesen werden) berücksichtigt werden:

1. Geringe Präzision bei Einzelschüssen und große Zielabweichung bei Feuersalven im Vergleich zu westlichen Sturmgewehren. Vor allem sind diese Mängel für die Modelle des 7,62-mm-Kalibers typisch.

2. Moderne optische Visiere lassen sich schwer aufbringen.

3. Ergonomische Mängel des standardmäßigen Spanngriffs.

4. Veraltetes offenes Visier.

Probleme mit der Schusspräzision wären Experten zufolge hauptsächlich durch die Qualitätsförderung von seriell hergestellten Waffen und Munition lösbar. Es ist kein Geheimnis, dass in verschiedenen Ländern und aus verschiedenen Zulieferteilen hergestellte AK-Gewehre einer Modifikation ganz unterschiedliche Qualität haben können.

Was die Zielabweichung und den Rückstoß angeht, so sind sie aufgrund der Konstruktion bedingt. Für die Beseitigung dieser Mängel sind also neue konstruktive Entscheidungen erforderlich - wenigstens solche, die für die Modifikation AK-107/108 getroffen wurden, deren Rückstoß dank ausbalancierter Automatik geringer ist.

Solche Änderungen werden aber letztendlich die Einführung eines neuen Systems von automatischen Waffen zur Folge haben, was unter den aktuellen Wirtschaftsbedingungen wohl unangebracht ist. Ein anderer Ausweg bestünde in der Verwendung von neuen Modellen der Mündungsbremse, die den Rückstoß wesentlich verringern könnte.

Die Probleme bei der Installierung von optischen Visieren auf den AK-Waffen sind mit den konstruktiven Besonderheiten des Installation der Optik nicht gestattet - nach jeder Abnahme und Aufsetzung des Deckels müsste das darauf (beispielsweise mit einer Picatinny-Schiene) montierte Visier neu eingestellt werden.

Bis zuletzt wurde die Optik auf den AK-Gewehren mit einem Träger auf der linken Seite des Gehäuses montiert, was die Verwendung von Visieren verschiedener Arten wesentlich einschränkte. Zur Lösung dieses Problems haben die Gewehre der 200er Serie die Picatinny-Schiene auf dem Gasabzugrohr. Außerdem ist der Deckel des Gehäuses anders konstruiert. Der Deckel ist nicht mehr abnehmbar, sondern abklappbar, was die Steifheit der Konstruktion erhöhte und gestattete, darauf die Schiene aufzubringen, dank der ganz verschiedene optische und Kollimatorvisiere verwendet werden können.

Das offene Visier wurde von vielen Experten als veraltet anerkannt. Viele andere Experten finden allerdings, dass das offene AK-Visier unter den typischen Gefechtsbedingungen durchaus nach wie vor effektiv ist und nur unwesentlich modernisiert werden sollte.

Im Großen und Ganzen erfordert das AK-200-Modell keine radikale Modernisierung der jetzigen Produktionslinien, die für den Übergang zu einem neuen Waffensystem notwendig wäre.

[...]

Das Innenministerium und der Inlandsgeheimdienst FSB denken derzeit über den Kauf von limitierten Partien der neuen Maschinengewehre nach. Alles hängt von der Entscheidung des Verteidigungsministeriums ab. Wenn das AK-200 in Serie geht, wird das den Anschluss Russlands an den globalen Trend zum Verzicht auf die nicht besonders erfolgreiche Entwicklung von „Zukunftsschusswaffen" und zur Verbesserung der aktuellen Systeme durch die Förderung ihrer Ergonomie und Zusatzausstattung bedeuten. Russland würde das übrigens sehr gut passen: Wegen der turbulenten Ereignisse in den vergangenen 20 Jahre ist hier die Entwicklungsphase der „Zukunftswaffen" nahezu unbemerkt verlaufen.

[...]"


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